Auch Sie kommen zu der notorischen Feststellung: Das Problem: Ein hohes Bürgergeld verleitet so manchen zum Nichtstun.

In dieser Feststellung wird unausgesprochen die Annahme mitgeführt, der entscheidende Antrieb zu arbeiten sei der Gelderwerb, deswegen müsse jegliche Transferleistung, soll sie nicht leistungsfeindlich sein, möglichst niedrig gehalten werden. Wie gelangen Sie zu dieser Behauptung, frage ich mich. Weder könnten Sie Bürgerengagement im Allgemeinen mit dieser Annahme erklären, noch könnten Sie erklären, woher die enorme Sachorientierung im Beruf rührt, die überhaupt erst den Grund abgibt, auf dem Neuerungen entwickelt beziehungsweise Arbeitsgänge gewissenhaft erledigt werden. Weil Sie offenbar genau diese intrinsische Motivierung nicht sehen, bleibt natürlich nur das Stimulus-Response-Modell, um Arbeitsbereitschaft zu erklären. Sollte die Welt so sein, wie Sie sie deuten, sähe ich die größte Gefahr für die Demokratie.

Peitschte man die Bürger nicht zur Loyalität, wie könnten wir ihnen dann vertrauen, auf ihre Loyalität setzen und damit letztlich unser Gemeinwesen erhalten? Wie erklären Sie das erstaunlich gute Funktionieren unseres Gemeinwesens, ohne dass eine geldwerte Leistung an die Bürger entrichtet wird?

DR. SASCHA LIEBERMANN, FRANKFURT AM MAIN

Der Artikel bietet in Kurzform einen Überblick über verschiedene Modelle, die zum bedingungslosen Grundeinkommen in den letzten Jahrzehnten bekannt geworden sind. Die Aufstellung ist verdienstvoll, wenn auch unvollständig.

Zumindest fehlt das Ulmer Modell eines Bürgergeldes, das auf Rechenmodellen (Algorithmen) zur Gegenfinanzierung basiert, die an der Uni Ulm ausgearbeitet worden sind. Die finanzielle Belastung der Wohlhabenden würde sich bei dem von Kolja Rudzio erwähnten Betrag von monatlich 650 Euro bedingungslosem Grundeinkommen nach den Ulmer Berechnungen in tragbaren Grenzen halten.

Eine Steigerung des Wachstums scheint nur als qualitatives Wachstum möglich und sinnvoll - durch Weiterentwicklung, zum Beispiel verbesserte Umwelttechnik. Dies wird aber kaum neue Arbeitsplätze in Millionenhöhe schaffen. Es erscheint extrem ungerecht, wenn man die heutige Situation am Arbeitsmarkt den betroffenen Arbeitslosen selbst anlastet.