Zuwanderung Die Todessprünge von Ceuta

Der Strom der Flüchtlinge nach Europa wird weiter anschwellen

Die fünf Toten von Ceuta sind nur die sichtbaren Opfer jenes nicht enden wollenden Ansturms aus der Dritten Welt nach Europa. Und auch sie wären wohl kaum bemerkt worden, hätten nicht in derselben Nacht Hunderte von Emigranten versucht, die spanische Exklave in Marokko zu erstürmen. Tausende machen sich jeden Tag aus dem Afrika südlich der Sahara auf den Weg in das gelobte Land, das sie als die Vereinigten Staaten von Schengen kennen. Andere pilgern aus Asien über Marokko. Denn sie wissen: Wer einmal einen der Staaten des Schengener Abkommens erreicht hat, kann untertauchen und weitestgehend unbehelligt von der spanischen Küste bis zum Nordkap reisen.

Dies ist der Zynismus Europas: Während nach außen hin alles getan wird, um die Grenzen hermetisch abzuriegeln, so werden im Inneren dann doch wieder Hunderttausende illegaler Einwanderer in den Wohlstandsstaaten gebraucht. Sie pflücken für uns die Tomaten. Sie verdingen sich schutzlos auf Großbaustellen. Sie spülen die Spaghettireste von den Tellern bei unseren Lieblingsitalienern. Und zunehmend mehr machen sie unsere Wohnungen sauber und hüten die Kinder für uns.

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Es wirkt fast so, als würden wir sie rufen und abweisen zugleich. Nach den tragischen Todesfällen in Ceuta, bei denen auch ein Baby starb, wurde wieder der Ruf nach Aufrüstung laut. Nun soll dort der »Perimetro«, der halbkreisförmige Schutzwall nach Marokko, noch weiter mit Bewegungsmeldern und anderen High-Tech-Abwehrgeräten abgedichtet werden. Bis es so weit ist, muss die reguläre spanische Armee die Grenzschützer von der Guardia Civil unterstützen. Ein »Staatsproblem«, sagt die spanische Regierung. Politiker und Journalisten sprechen von einer »Lawine«, von regelrechten »Überfällen«. Doch bisher hat alles Aufrüsten den Strom nicht bremsen können. Er wird sich verstärken. Die Todessprünge sind nur Vorboten für das, was noch kommen wird.

 
Leser-Kommentare
  1. Es ist noch nicht all zu lange her, da wurde Ungarn lauthals dafür gelobt, dass es seine Grenzen für DDR-Flüchtlinge öffnete. Nach Ceuta schicken wir nun die Guardia Civil. Aber die Leute in den Botschaften waren ja auch nicht scharz. Sie waren nicht einmal wirklich arm. Sie wussten, wie man ein WC benutzt, eine Gardiene anbringt, einen Vorgarten harkt und wie man Anträge ausfüllt. Sie sprachen Deutsch und sie hatten ebensoviel Respekt vor den Hütern der Gesetze, wie vor den Gesetzen selbst. Sie kamen, wohnten eine Zeit lang im Übergangslager, fanden Arbeit und haben sich bis zur Unkenntlichkeit integriert. Kurz: Sie haben wenig Arbeit gemacht. Die Afrikaner werden uns fordern. Vielleicht überfordern. Aufzuhalten werden sie nicht sein. Ich denke, wir sollten langsam anfangen, uns Gedanken über eine gemeinsame Zukunft zu machen. Je später wir damit beginnen, um so härter wird es werden. Keine Frage: Die beiden deutschen Lieblingshaltungen, die des Vogel Strauß und die des Rambo, werden uns diesmal nicht weiter helfen.

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