K-Frage Drin oder nichtSeite 4/4
Schon Willy Brandt war ab 1966 Vizekanzler und Außenminister
Also verweisen enge Mitarbeiter des Bundeskanzlers auf die naheliegende zweitbeste Lösung: Gerhard Schröder wird Vizekanzler und Außenminister – wie Willy Brandt in der Großen Koalition von 1966. Er ist inzwischen einer der dienstältesten Staatsmänner Europas; dass er in peinliche Situationen an der Seite der Kanzlerin Merkel geraten könnte (die Premiers unterhalten sich in einem, die Außenminister im anderen Konferenzzimmer), ist unwahrscheinlich. Dagegen spricht Schröders raumfüllende Persönlichkeit. Doch er will nicht. Noch nicht. Hinter dem Mann liegt ein mörderischer Wahlkampf. Der mag das politische Ego »Schröder« gestärkt haben, aber die physische Erschöpfung ruft heimlich: »Schluss«, oder doch »Pause«. Andererseits, so hört man es im Kanzleramt, »ruft die Partei und ruft das Vaterland«.
Doch, derlei Töne gibt es im Umfeld des Bundeskanzlers, und sie sind keineswegs ironisch gemeint. Er selbst mag in gewissen Situationen ein Spieler sein, aber die engen Wegbegleiter dieses Zoon politikon sind das völlige Gegenteil: seriös in jeder Situation und durchaus in der Lage, dem Mann an der Spitze klar zu machen, dass das ernste Spiel nicht zu Ende ist.
Der alte englische Ball muss nur neu aufgepumpt werden.
- Datum 06.10.2005 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 06.10.2005 Nr.41
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Die K-Frage ist die Frage nach dem Kanzlerkandidaten einer Partei, wohlgemerkt Kandidat. Der Kanzler wird vom Bundestag gewählt. Der Abgeordnete ist nur seinem Gewissen unterworfen. Wohlgemerkt Gewissen, nicht Partei, nicht Fraktion, nicht Meinungsumfragen, nicht irgendwelchen Alpha-Tierchen (ob fruchtbar oder unfruchtbar).
Sowohl Frau Merkel, als auch Herr Schröder wollen die linke Mehrheit im Parlament von der Macht fernhalten. Da man sich also nicht an die vorhandenen, in der Verfassung vorgeschriebenen, Regeln halten möchte, muss man selbst welche erfinden. Da solche selbst gezimmerten Regeln selten besser sind, sieht man auch bei der Ganovenehre. Die Ganovenehre wird auch zum Problem, wenn es an das Verteilen der ergaunerten Beute geht.
Münte, Edmund, Gerhard und Angela sind im Spiel und sie ergeben zusammen M.E.G.A. und "mega" ist natürlich auch die Neugier, wer nun am Kabinettstisch sitzen wird.
Zwei Hirsche, eine Elchkuh und ein Sauerländer. Zuviel Geweih eigentlich, um sich auf Gedeih und Verderb
zu duellieren. Am spannendsten würde es, wenn zur Kanzlerwahl durch das Parlament einfach mal alle, die
sich für fähig halten, antreten würden. Da käme sogar Guido noch zu seinem Spaß.
Wenn der Struck so etwas gesagt hat, dann hat er wenigstens noch etwas gesagt.
Nur eines scheint letztgültig sicher. Schröder und Merkel belauern sich raubtiergleich bis zum letzten Moment.
Wer zuerst zuckt scheint verloren.
Schröders Kalkül: Ausharren und auf den Königinnenmörder aus den so demonstrativ fest geschlossenen Unionsreihen warten.
Nur ein Putsch der CDU-Granden könnte seinen Machtanspruch noch retten, diesen fehlt jedoch der "Brutus", die Integrationsfigur welche den Widerstand organisieren und gleichzeitig als einzig möglicher Kompromiß in einer verzweifelten Lage eine Alternative zur Rudelführerin ins Spiel brächte.
Schröder wird verlieren, soviel scheint klar. Fraglich bleibt nur ob Frau Merkel siegen wird, selbst wenn sie Bundeskanzlerin werden sollte, gesicherte Machtverhältnisse sehen nunmal anders aus.
Geliebt wird sie in der Union von den wenigsten, gefürchtet von vielen. Ob dies für vier Jahre stabile Politik ausreicht?
Lieber Herr Naumann,
warum denkt eigentlich niemand an die langfristigen Folgen der scheinbar auch von Ihnen irgendwie als sympatisch-machohaft-menschlich empfundenen "Zockerei"? Wie sollen in Zukunft demokratische Mehrheiten festgestellt werden, wenn das jetzt zur Frage von "Machtspielen" wird - (absurd: zur Frage der Fähigkeit, in letzter Minute noch sieben Prozent zuzulegen etc. etc.) ???
Ihre warmherzigen Formulierungen im Sinne von "Zocken" verharmlosen, dass hier völlig neue und dem Wahlmodus fremde Kriterien für Wahlergebnisse eingebracht werden. Wie soll das Ganze denn bei den nächsten Wahlen laufen: egal, wer gerade zwei, drei Prozent weniger hat - das ist nächstesmal, hoffentlich, die CDU/CSU!!), wird sich doch schon durch die bewundernde Presse verpflichtet sehen, "jetzt auf keinen Fall aufzugeben" um "Stärke zu zeigen" und "die Nerven nicht zu verlieren" (so und ähnlich überall nachzulesen)???? Merkt denn keiner, dass hier Demokratie auf dem Spiel steht?
Und keine liberale Presse, die das komisch findet - das ist erschreckend.
Dieser fast schon kakanische Zwischenzustand beschert schöner geschriebene Artikel und tiefe Blicke in die Seelenlandschaft der veröffentlichten Meinung. - Sehr spannend. Seltsame Ruhe herrscht allerorten, bevor der innige Wunschtraum vieler nach einer grossen allumfassenden Koalition Wahrheit wird. Denn mit was sollen die beiden etablierten kleinen Oppositionsparteien gegen die Schienbeine ihrer jeweiligen grossen Wunschpartner treten? - Westerwelle übt schon die Rolle des freundlichen Politikberaters für seine Wunschkanzlerin und die Grünen
werden sich hüten, die von ihnen geschaffenen Fakten im Bereich Verbraucher- und Umweltschutz kleinzureden, die nun
stillschweigend von CDU/CSU und SPD - Ministern fortgeführt werden. Bei fast allen aktuellen politischen Themen reicht der grosse Konsens beidseits weit in das Lager von Gelb und Grün. Bleibt da nur der Blick auf die jeweilige Befindlichkeit der Kanzlerkandidaten und deren Entourage?
Währenddessen schreitet der Fortschritt in der Industrie
und im Gewerbe unerbittlich voran. Produktivitätssteigerung
und Rationalisierung sind deshalb die Triebfedern der
Arbeitslosigkeit , weil unser Land die avantgardistischste
Volkswirtschaft in Europa weiterentwickelt hat und nicht weiss, wie Arbeit ausserhalb von Produktion und klassischer Dienstleistung angemessen vermehrt und gerecht entlohnt werden kann.
Eine Antwort wird nicht von der übergrossen Koalition zu erwarten sein, die gemeinschaftlich auf die pazifizierende Wirkung der Demografie hofft.
... dass es immer noch Freundschaften gibt, die durch alle Stürme hindurch halten. Naumann gibt Gerd's voice und ruft ihm - wie der andere Freund Prantl - lauthals zu: "Werde Vize-Kanzler, um Merkel bloßzustellen". Gute Freunde übersehen die Schwächen ihrer Amigos. Nur so ist zu erklären, dass Gerds Versagen (Arbeitslose ...) und Inhaltsleere ("Machtanspruch" schreibt Naumann, statt "Pattex") keine Erwähnung finden.
Bei seinem Amtsantritt galt Schroeder eher als Leichtgewicht; ebenso Kohl. Nach einiger Zeit gewannen beide Statur und fuellten ihr Amt aus. Noch etwas spaeter wurden sie zu bedeutenden Staatsmaennern; dafuer waren alle anderen nun ein paar Nummern zu klein.
Kohl's Statur wuchs, wuchs und wuchs bis er schliesslich platzte. Das sollte sich Schroeder ersparen, indem er rechtzeitig abtritt - die Luecke, die er hinterlaesst, wird ihn schon ersetzen.
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