Suchmaschinen David gegen GoogleSeite 7/7

»Bis du stirbst«, sagt Apostolus, und um dieser Aussicht zu entgehen, haben sie darauf bestanden, auch Managementpositionen in der Firma zu übernehmen. So wie die beiden Jungs von Google das vorgemacht haben. »Deswegen habe ich großen Respekt für Sergey und Larry«, sagt Apostolos. »Sie haben der Welt gezeigt, dass Naturwissenschaftler ein Unternehmen führen können. Dass nicht länger Wall-Street-Broker und Wirtschaftstypen aus Harvard die Welt regieren.«

An einem Morgen im Juni war Apostolos Gerasoulis sofort hellwach. Es war der Tag, an dem Investor Barry Diller seinen Besuch angekündigt hatte. In Amerika ist Barry Diller eine große Nummer, reich und glamourös, verheiratet mit der Society-Designerin Diane von Furstenberg.

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Dennoch sei manchem seiner Programmierer der Name des Gastes kein Begriff gewesen, glaubt Apostolos, die Mitarbeiter mussten ihn noch schnell in die Suchmaschine eingeben. Dort erfährt man, dass Barry Diller 1999 angefangen hat, Internet-Dienstleistungsunternehmen aufzukaufen, und dass seine Firma IAC den Internet-Hype mit Gewinnen überlebt hat. Jetzt wollte Diller eine Suchmaschine. »Normalerweise rede ich viel«, sagt Apostolos, »aber an diesem Tag war ich still. Es war so ein Tag, an dem man über sich selbst nachdenkt, sein Leben an sich vorbeiziehen lässt und sich denkt: Wow, ich hätte nie geglaubt, dass es so kommen würde. Dass ich einmal im selben Raum sein würde wie er.«

Diller ließ sich von ihm die Maschine vorführen. Apostolos zeigte die Zoom-Funktion, die er gerade entwickelt hatte und die Vorschläge zur Eingrenzung oder Erweiterung der Suche macht. Als er den Namen »Diane von« eingab, schlug der Zoom vor, die Suche auf Diane von Furstenberg einzugrenzen. Diller nannte es unglaublich und sagte, dass sie das neue Produkt sofort auf den Markt bringen müssten.

Dann wollte der Gast wissen, was die Zukunft bringen würde. Apostolos prophezeite ihm, dass demnächst alles, was in der Welt ist, eingeschmolzen werden könnte in die Sphäre des Digitalen. Später könnte alles mit Hilfe einer perfekten Suchmaschine gezielt wieder hervorgeholt werden. Die Frage ist nur: Wer wird in dieser universalen Bibliothek die besten Antworten finden? Wird er es sein, er, Apostolos Gerasoulis, Sohn eines griechischen Eisenwarenhändlers?

Mitte Juli war es so weit. Barry Diller hat Ask Jeeves für 2,3 Milliarden Dollar gekauft. Apostolos Gerasoulis lächelt noch etwas glücklicher als sonst, als er erzählt, dass Diller versprochen hat, ihn demnächst in New York City auf eine große Party mitzunehmen.

 
Leser-Kommentare
    • Low012
    • 06.10.2005 um 12:00 Uhr

    Nur ein kurzer Hinweis: Die im Artikel als Yaci bezeichnete Suchmaschine heißt YaCy (http://www.yacy.net/yacy/).

  1. 2. Chef

    Schöner Artikel, habe gleich mal wieder Ask Jeeves getestet ;-)
    Beim "ehemalige(n) Chef der Rockgruppe Grateful Dead", der jetzt bei Google kocht, handelt es sich aber um deren Koch. Chef heisst im Englischen auch Küchenchef :-)

  2. Mir gefällt der Artikel auch ausgesprochen gut. Das überhaupt noch so ein "Kampf" im Suchmaschinenbereich tobt, hatte ich schon aufgegeben zu glauben. Ende der Neunziger habe ich selbst mit Algorithmen experimentiert und mal ein Patent der NSA nachprogrammiert - für private Zwecke. Da dämmerte mir, dass es wohl noch eine andere Dimension des Suchens geben müsse. Und tatsächlich: Google scheint im Moment alles richtig zu machen. Dennoch gibt es Beispiele, bei denen Teoma, was ich schon seit 2001 nutze, irgendwie "fokussierter" reagiert. Man gebe mal Viterbi Algorithmus ein. Der Treffer "sat.gmd.de/docs/viterbi.htm" bei Teoma findet sich bei Google gar nicht, jedenfalls nicht auf den ersten 20 Seiten. Erst nach Tagen bin ich bei Google zufällig dorthin gelangt - über andere Suchwörter. Teoma hilft also bei der spezialisierten Suche; manchmal passt es perfekt. Ein interessanter Ansatz ist das "Frontend", das Amazon vor Google gepackt hat: www.a9.com. Hier werden einem auf Wunsch die Suchergebnisse als Spaltendarstellung serviert: Text, Bilder und Wikipedia Einträge - alles auf einen Blick.
    Zurück zum Beitrag: Die Darstellung aus der Perspektive des ideenreichen Underdogs, ein Hauch New Economy und ein Stückchen Ausblick, da fallen mir nur die Ebay-Floskeln wie "gerne wieder, weiter so" ein.

    • Karaja
    • 08.10.2005 um 13:52 Uhr

    ... der da an die Tür von Google klopft und demnächst vielleicht ein kleines Loch geschlagen hat. Der Empfehlung titopolis folgend habe ich mich auf Suche gegeben. Bei Goliath und David. Ich erkenne beim besten Willen kein schlechtes Ergebnis, ein anders gestricktes selbstredend. "Findet Merkel!" ist für beide amerikanischen Suchmaschinen mit Irritationen verbunden - stehen doch Anbieter von all-american-schießprügel wie selbstverständlich ganz vorne. Allerdings positionieren beide Suchis (auch ohne den Vornamen einzugeben) unsere Vielleicht-Kanzlerin bald im Anschluß, teoma allerdings erst auf Seite 2.
    Aber auch bei anderen Tests mit eigenen Fragen war ich ganz positiv angetan von Davids Leistung. Mit Geduld und Spucke und einem Ausbau an Features ähnlich der von Google (Sprachwahl, Bilder usw.) macht sich da in meinen Augen eine gute Alternative oder auch Ergänzung bemerkbar.
    Wer sich genau informieren will sieht öfter auch mal in mehrere Lexika.

  3. der artikel ist informativ, spannend und gibt einen einblick hinter die kulissen. Dabei ist er weder reißerisch und oberflächlich noch zu spezialisiert und unverständlich. Sie haben genau die richtige mischung getroffen.
    Anhand artikel wie dieser, sehe ich meine jahrelange investition in ein zeit-abo sehr gut angelegt.

    anregung: eine vertiefung dieses themas für die zeit-wissen sonderausgabe wäre zu überlegen

    • timkos
    • 09.10.2005 um 12:42 Uhr

    im direkten vergleich fehlt da doch noch einiges!

    wenn man bspw. namen berühmter personen (bspw. john lennon oder martin luther) eingibt, bekommt man bei google gleich auf der ersten seite den entsprechenden deutschen wikipedia-eintrag sowie die (m.e.) interessantesten deutschsprachigen seiten ganz oben.

    bei ask jeeves sind es mehr oder weniger interessante englischsprachige seiten, was wahrscheinlich auch daran liegt, daß es noch kein speziell deutsches portal gibt.
    aber selbst die englischen seiten sind eher mittelmäßig, und von wikipedia keine spur.

    google scheint also doch noch wesentlicher effizienter und treffgenauer zu arbeiten (ob das was mit der wesentlich höheren benutzeranzahl zu tun hat, d.h., daß man mit höherer wahrscheinlichkeit ermitteln kann, welche seiten die gefragtesten sind und diese dann ganz oben platziert?)

    außerdem hat ask jeeves ein namens- und jetzt auch ein imageproblem. der name flutscht einfach nicht genug (zu sperrig und lang), und der neue eigentümer steht nicht gerade für seriöse information ("fox news").
    außerdem genießt google auch deshalb so einen guten ruf, weil es sich um sehr guten kontakt zur (open-source-)szene bemüht (bspw. "summer of code", "mozilla" etc.), sowie weil es projekte unterstützt, die auch für die allgemeinheit von nutzen sind ("google print")

    es bleibt also wirklich noch viel zu tun, um google ernsthaft konkurrenz zu machen!

  4. Was ich mich immer schon gefragt habe: Wieso denken Leute vom Kaliber eines Apostolos Gerasoulis: "Wow", wenn sie auf Leute wie Barry Diller treffen? Eines meiner Vorurteile lautet: Es ist eben nicht allein die Neugier gewesen, die sie aus ihren Bergdörfern an die Universitäten getrieben hat. Ihre Langeweile hat sich zu einem großen Teil aus fehlendem Kapital gespeist. Leider ist dieser Kommentar an seinem Ende nicht darum herum gekommen, mir mein Vorurteil einmal mehr zu bestätigen. Schade eigentlich. Nun muss ich mich fragen: "Wer, zum Teufel, ist eigentlich Barry Diller? Und vor allem: WIE ist er?" Dabei mag ich mich eigentlich gar nicht mit Leuten befassen, über die jemand schreibt, sie wären reich, glamourös und überhaupt "eine große Nummer".

  5. Klingt ja alles ganz schön, aber:

    Geben Sie doch mal bei google.com oder teoma.com das Stichwort "Merkel" ein. Was taucht da ganz oben auf? bei Teoma eine Gemeinde von 2.500 Einwohnern irgendwo in den USA. O.K., man kann diese perspektive haben. Ich sehe da aber einen qualitativen Unterschied.
    Man kann die Suche verfeinern: deutsch, aus Deutschland, nur English usw. Ich sehe noch keinen Vorteil für AskJeeves, bzw Teoma.
    Weitere Vorteile für Google sind die begonnenen neuen Projekte, die einmal die Wissensbasis verbreitern und zum anderen den Zugang zum Kunden.
    Insofern glaube ich momentan nicht, daß AskJeeves Davids Rolle übernehmen kann. Außerdem ist Google zu beweglich und schnell für Goliaths Rolle.

    PS Geben Sie auch einmal "goliat" und "goliath" ein.

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