indonesien Der isolierte Terror
Die Mehrheit der Indonesier lebt einen außergewöhnlich toleranten Islam – die Attentäter von Bali sind Einzelkämpfer
Es war eine fatale Fehleinschätzung: Noch eine Woche vor den Anschlägen auf Bali hatten Beamte der indonesischen Regierung behauptet, dass die islamistische Terrorgruppe Dschamaa Islamija unter Kontrolle sei, schreibt die Die Anschläge von vergangenem Samstag haben die Regierungsvertreter auf grausame Art Lügen gestraft. Im Abstand von wenigen Minuten sprengten sich drei Selbstmordattentäter auf der Ferieninsel in voll besetzten Restaurants in die Luft. Sie rissen 22 Menschen mit in den Tod, über 100 wurden verletzt.
Eine schreckliche Wiederholung der Geschichte. Im Oktober vor drei Jahren kamen bei einem Bombenanschlag auf zwei Diskotheken in Bali 202 Menschen ums Leben. Damals steckte die Dschamaa Islamija hinter der Terrorattacke, und vieles spricht dafür, dass sie auch für die jüngsten Anschläge verantwortlich ist.
Die Jakarta Post prangert Geheimdienste und Polizei an, weil es im Vorfeld keine Warnungen gegeben hätte. Nur Präsident Yudhoyono hatte im August vor möglichen Anschlägen gewarnt. Das war offenbar schnell vergessen. Zwar war die Polizei vergangene Woche in ganz Indonesien in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt, allerdings weil die Regierung Unruhen wegen drastisch erhöhter Benzinpreise fürchtete.
Doch bei aller Kritik, die indonesischen Sicherheitsdienste haben einiges geleistet. Seit den Anschlägen vom Oktober 2002 haben sie rund 200 Mitglieder der Terrorgruppe verhaftet, viele davon haben die Richter verurteilt, manche zum Tode.
Durch das härtere Vorgehen der Regierung gegenüber radikalen Islamisten sei die Dschamaa Islamija personell wie finanziell geschwächt. Das steht in einem Papier der International Crisis Group vom 15. September, die sich seit Jahren mit militanten Islamisten in Südostasien beschäftigt. Die Sicherheitslage in Indonesien habe sich in den vergangenen drei Jahren verbessert. Aber, so der mahnende Nachsatz, die Gruppe sei noch immer gefährlich, niemand solle sich selbstzufrieden in Sicherheit wähnen.
Ziel der Dschamaa Islamija ist es, einen islamischen Gottesstaat zu errichten, nicht nur in Indonesien, sondern auch in Malaysia, auf den Philippinen und in den übrigen muslimischen Regionen Südostasiens. Als geistlicher Führer der Organisation gilt der Hassprediger Abu Bakr Baschir. Er streitet jedoch jegliche Verbindung zu der Gruppe ab. Baschir wurde wegen seiner mutmaßlichen Verstrickung in die Anschläge vom Oktober 2002 verhaftet, mangels eindeutiger Beweise aber nur zu 30 Monaten Haft verurteilt. Organisiert ist die Terrorgruppe als Netzwerk loser Zellen. Viele ihrer Anführer sind Rückkehrer aus dem Afghanistan-Krieg. Ihren Nachwuchs sucht die Dschamaa häufig in Islaminternaten, die Indonesien wie ein Netz überziehen. 14000 gibt es von diesen Schulen, die eine Art paralleles Bildungssystem bilden. Die meisten von ihnen sind absolut unverdächtig. Einige wenige unter ihnen predigen aber den Dschihad, schreibt die International Crisis Group und nennt sie die »Ivy League« der radikalen Islamisten. Darunter befindet sich eine, die von Baschir selbst gegründet wurde. Die Regierung hat diese Schulen bis heute nicht geschlossen, weil es an konkreten Beweisen fehlt.
- Datum 17.07.2009 - 07:01 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 06.10.2005 Nr.41
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