Für mich war dieser Autotest ein zweiter Versuch. An den ersten erinnere ich mich nicht gerne, aber gut. Damals war genau genommen nur die untere Hälfte eines Autos zum Testen gekommen – ohne Dach, Windschutzscheibe und Türen, dafür aber mit Regenwasserablaufkanälen im Cockpit. Es war ein Smart Crossblade. Entworfen offenbar als Drittwagen für Berufssöhnchen, die bei Sonnenuntergang an Mittelmeerstränden herumbrettern, um derart röhrend schwedische Austauschstudentinnen zu becircen. Ich versprach mir Aufmerksamkeit und Bewunderung, bekam aber eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung. Es war November. Es war an der Elbe. Falsches Auto, falscher Ort, falscher Fahrer.

Monate später: Von meinem neuen Testwagen heißt es, er sei ein sparsames, dieses Mal voll funktionsfähiges Auto. Es soll Vater und neunjährige Tochter mit Kurzurlaubsgepäck aufnehmen können, überdacht und mit vier Rädern und drei Türen ausgestattet sein. Der Toyota Aygo.

Unsere erste Begegnung, über die Pressemappe, schockiert mich: Doch wieder daneben gegriffen? Auf den Werbefotos räkelt sich hippes studentisches Personal auf der Karosse. Halbstarke, die meine Kinder sein könnten, wäre ich nicht selber so lange Halbstarker geblieben. Sie tragen Jeans mit teuren Löchern. Manche sehen auch subversiv aus. Zwei oder drei gucken politisch interessiert, sie könnten schon mal gegen Studiengebühren demonstriert haben. In Wirklichkeit sind es »junge, aktive Europäer« mit »ausgeprägtem Marken- und Qualitätsbewusstsein«. Sie nutzen ihre »fast grenzenlose Freiheit, um ihre Unabhängigkeit und Individualität auszuleben«.

Ach so.

Marie meint, dass wir ihn trotzdem nehmen sollen, den »I go«. Sie sagt, er habe so ein nettes Gesicht mit seinen großen lachenden Augen. Außerdem kann sie mit dem Audiosystem, zu dem ich immer noch Autoradio sage, ihre Bibi-Blocksberg-CDs hören. Die Schnittstelle für den mp3-Player würde sie sicher auch gut finden, wenn sie davon wüsste. BILD

Auf mich wirkt das Auto sehr androgyn. Weiche Rundungen, gepaart mit muskulös anmutenden Extremitäten und bulligem Heck. Der Wagen macht einen sportlichen Eindruck, ist aber in Wahrheit genauso sportfeindlich wie jedes andere Auto auch. Man muss sich reinsetzen und darf sich nur reduziert bewegen, wenn man es zweckdienlich benutzen will.

Die Kofferraumklappe ist ganz aus Glas und wird beim Schließen unvermeidlich von einem Federmechanismus bis zum Anschlag beschleunigt, damit auch die Nachbarn wissen, wenn’s losgeht. Erstaunlicherweise zerbricht sie nicht und ist immer richtig zu.