In den USA wird die Umsetzung des Banken-Regelwerks Basel II ein weiteres Mal verschoben. Erst im Frühjahr 2006 wollen die US-Bankenaufseher nun einen Entwurf vorlegen, wie der internationale Eigenkapitalstandard auf dem größten Finanzmarkt der Welt eingeführt werden soll. Ursprünglich sollten die Pläne im vergangenen Sommer Gesetzgebern und Banken vorgestellt werden. Die Entscheidung der US-Regulierer lässt einen gemeinsamen Fahrplan der Teilnehmerländer endgültig Makulatur werden: Für die europäischen Finanzdienstleister fällt bereits 2007 der Startschuss für Basel II, nach den jüngsten Plänen der US-Behörden wird es jenseits des Atlantiks erst 2008 ernst. Allerdings gilt bis 2011 eine Übergangsfrist, an deren Ende die Aufseher sich vorbehalten haben, von Fall zu Fall über eine volle Anwendung zu entscheiden. Was genau das bedeutet, ist offen.

Schon in den vergangenen Monaten hatten die US-Regulierer in Sachen Basel II kräftig auf die Bremse getreten. Im April veröffentlichten sie die Ergebnisse eines Testlaufs, bei dem 26 US-Großbanken die geplanten Basel-II-Vorschriften probeweise angewendet hatten. Das Ergebnis schreckte die Behörden. Das vorgeschriebene Mindestkapital sank im Schnitt um 17 Prozent, während es für die mittlere Bank (Median) sogar um 26 Prozent zurückging. In einzelnen Fällen hätte die Bank ihr Eigenkapital um bis zu 50 Prozent reduzieren können. In den vergangenen Wochen hatte sich dann abgezeichnet, dass die Umsetzung von Basel II auch politisch auf Widerstand stoßen würde (ZEIT Nr.

39/05). Vor allem im US-Kongress, der die Umsetzung absegnen muss, löst das komplizierte internationale Regelwerk Skepsis aus.