Ihre Organisation vertritt die führenden privaten Reiseunternehmen der Welt. Nach den letzten Anschlägen auf der Insel Bali haben Sie dem Tourismusminister geschrieben, Sie seien überzeugt, dass Bali seine Phase der Erholung fortsetzen wird. Was macht Sie so sicher?

Was geschehen ist, bedeutet einen Rückschlag. Bali hatte sich ganz gut erholt. Jetzt wird die Insel ein, zwei Jahre warten müssen, bis alles wieder normal läuft. Die Australier sind nach den Attentaten im Oktober 2002 zurückgekommen, und da war alles viel schlimmer. Die Japaner werden auch wiederkommen. Wir haben das nach Luxor erlebt, nach Sars in Hongkong, nach dem Golfkrieg - diese Industrie schnellt nach der Krise wieder hoch. Und zum Teil mit besseren Zahlen als vorher. Das zeigt, dass der Tourismus immer wieder auf die Beine kommt.

Auch wenn Attentate zum zweiten Mal am selben Ort geschehen?

Das Phänomen hatten wir in London. Londons Saison verlief nicht so, wie man es erwartet hatte, aber es war lange nicht so katastrophal, wie es manche vorausgesagt haben. Und es gab nicht die großen Preisermäßigungen in den Hotels, um Touristen anzulocken.

Die WTTC hat ein Vorhersagemodell entwickelt und für Ägypten nach dem Attentat in Scharm al-Scheich einen Rückgang der Arbeitsplätze um 3,6 Prozent prognostiziert. Wie sieht die wirtschaftliche Vorhersage für Bali aus?

Unser Modell klappt nur bei einer gewissen Größe und einer genügenden Menge von Daten. Bali ist zu klein. Unsere Vorhersage basiert auf dem so genannten Tourimussatellitenkonto. Dafür nehmen wir aus den volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen der Länder die Daten, die Reisen und Tourismus betreffen.

Mit diesem Modell kann man die wirtschaftliche Bedeutung auch im internationalen Vergleich sehen. Im Fall einer Katastrophe bespricht sich erst das Krisenkomitee des WTTC und gibt eine qualitative Bewertung ab. Damit gehen wir zu unserem Forschungsteam, das dann nach dem Vergleich mit den Daten eine quantitative Einschätzung erstellt. Je mehr Daten man hat, desto besser ist es. Ägypten zum Beispiel haben wir seit Jahren beobachtet.