Auch in einer Welt ohne Männer und Frauen sind nicht alle Geschlechterprobleme gelöst. So müssen sich Tiere, die zugleich weiblich und männlich sind, also Hermaphroditen, darüber einigen, wer beim Sex welche Rolle spielt. Dabei geht es nicht um den Spaß, sondern um den Preis der Liebe. Bei der tropischen Seeschnecke Chelidonura hirundinina hat das Tier, welches den männlichen Part übernimmt, zunächst einmal das Nachsehen: Die Spermaspende kostet Nährstoffe. Außerdem hat der Samenspender keine Kontrolle darüber, ob sein Saft das Ei des Partners befruchtet. Wegen dieser möglichen Schieflage in der Kosten- Nutzen-Rechnung nimmt man an, dass Hermaphroditen einen Spermatausch vereinbaren: Ich gebe dir, wenn du mir gibst. Mit der gegenseitigen Befruchtung (siehe Bild) ist dann auch die genetische Vielfalt gesichert. Forscher aus Tübingen haben das nun bewiesen (Current Biology, Vol. 15, S. R792). Bei einigen Exemplaren blockierten sie die Samenleiter und verhinderten einen Tausch. Prompt wurden die Tiere von den Partnern früher verlassen als jene, die einen Spermahandel eingehen konnten.