Der Artikel von Urs Willmann hat mich in der Rubrik Wissen etwas überrascht, er gehört eigentlich in die Rubrik Glauben, Weltanschauungen. Wieso?

Bei aller Liebe ist die Evolutionstheorie selbstverständlich eine Theorie und keine Tatsache. Wenn man es wissenschaftstheoretisch betrachtet, ist sie sogar noch eine Hypothese, die durch viele Gedankengebäude (Theorien) gestützt wird. Und selbstverständlich bleibt jede wissenschaftliche Theorie hinterfragbar. Mit den fortschreitenden Erkenntnissen in den Wissenschaften (Paläontologie, Kosmologie, Informatik, Biochemie) gibt es zunehmend mehr Fragen als Antworten zur Evolutionstheorie, und wenn nicht ständig neue Theorien als Erklärung herangezogen würden, wäre die Theorie längst am Ende.

Um den Motor des evolutionistischen Forschens einmal zu kennzeichnen, zitiere ich hier den Evolutionisten Sir A. Keith: Die Evolution ist unbewiesen und unbeweisbar. Wir glauben aber daran, weil die einzige Alternative dazu der Schöpfungsakt eines Gottes ist, und das ist undenkbar.

Ich will hier überhaupt nicht für Schöpfung argumentieren, aber wenn das Dresdner Hygiene-Museum mit einer Ausstellung weismachen will, dass Evolution keine Theorie, sondern eine Tatsache ist, dann verlassen die Macher den Bereich Wissenschaft und kommen zum Glauben. Das ist ja nicht verwerflich, sollte aber deutlich gesagt sein. Eine Wissenschaft, die keine Kritik ertragen will, ist keine Wissenschaft mehr. Der Halbzeitwert von wissenschaftlichen Erkenntnissen hat sich stark verkürzt, wie aller Welt bekannt.

MANFRED FIEHN, BERLIN

Darwins kluge Erben sind so vernarrt in ihre Würmer, ihre zweiköpfigen Fliegen, dass sie nichts von dem Zauber vermitteln können, der von der Evolution ausgeht, ihren Aufschwüngen und ihren Abstürzen. Sie sind so verliebt in die Fehlfarben von Schmetterlingen, dass sie das Problem übergehen, wie der Evolution die Schönheit der Schmetterlinge gelingt. Adolf Portmann hat sich zuletzt mit dieser Frage befasst.

Warum sprechen die Evolutionsforscher ständig vom Zufall? Als ob nicht Schaltung und Fehlschaltung von Genen auch einem Kausalzusammenhang unterlägen. Da wäre der Begriff der Zweckfreiheit angemessener. Die Evolution läuft nicht zufällig, sondern zweckfrei ab. Damit lässt sich das törichte Wort vom Intelligent Design bloßstellen. Design ist immer zweckbezogen und damit rein auf menschliches Handeln beschränkt. Und es zeigt sich, der zweckfrei ablaufende Prozess der Evolution ist in seiner Kreativität menschlicher Zweckbezogenheit weit überlegen.