Der Nachfolger Christian Thielemanns als Generalmusikdirektor der Deutschen Oper Berlin wird der 42-jährige Italiener Renato Palumbo. Das ist eine gute Wahl. Viele in Deutschland werden ihn nicht kennen, er gehört auch noch nicht der internationalen Glamourdirigentenliga an wie sein Vorgänger oder wie Daniel Barenboim, sein direkter Konkurrent an der Berliner Staatsoper Unter den Linden. Er hat aber bewiesen, wie man noch unter schwierigen, sogar widrigen Umständen arbeiten kann, er war Operndirektor in Kapstadt und Istanbul, also an Häusern, die gewiss keine schlafwandlerische Routine erlauben. Er hat ebenso gezeigt, wie man mit allzu routinierten Orchestern, beim Rossini-Festival in Pesaro beispielsweise, Außerordentliches an Glanz und Präzision produzieren kann. Und selbst übermäßig blasierten Musikern wie denen an der Scala hat er noch vermocht, seinen spezifischen Stempel der Seriosität aufzuprägen. Er ist, kurzum, für Berlin gut gerüstet. Darin liegt freilich für die Deutsche Oper auch eine subtile Kränkung. Palumbo ist der Name der Stunde, die ihr geschlagen hat: geduldige Entwicklungshilfe. Nichts war dafür charakteristischer als die lakonische Bemerkung, mit der Palumbo den Hinweis auf die labile Finanzsituation parierte: Es gibt immer zu wenig Geld. Das ist die Einstellung, die Berlin, wahrscheinlich Deutschland überhaupt, noch lernen muss.