Universität Breite SpitzeSeite 3/3

Regelmäßig entscheidet sich zudem, ob Weber auf der Gehaltsleiter nach oben klettert. Im Sommer 2004 schnellte sein Jahresgehalt um 12000 Dollar in die Höhe, mal geht auch Weber leer aus. Studenten und Kollegen fragen sich: Wie exzellent ist die Forschung, wie gut ist die Lehre, wie stark engagiert er sich für die Universität?

Einmal gaben die Studenten Weber schlechte Noten: Er sei in Veranstaltungen zu schnell, manchmal schwer verständlich, seine Schrift an der Tafel unleserlich. Weber stellte seine Vorlesungen um. In der nächsten Runde war er in der Evaluation ganz vorn dabei. »Das war Knochenarbeit.«

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Donnerstagmorgen, acht Uhr, Women’s Faculty Club, Kamin, dunkles Holz, tiefe Sessel. Frühstück mit dem Chef der Hochschule, dem Kanzler Robert Birgeneau, den die Studenten »Big Bob« nennen. Nicht nur, weil Birgeneau, ein kanadischer Name, so schwer auszusprechen ist, sondern auch, weil Birgeneau der Herr über Berkeley ist. Formell steht ein Präsident an der Spitze der ganzen UC, doch der erlässt nur Richtlinien; der Kanzler führt das Tagesgeschäft autonom. Berkeley sieht andere Hochschulen der UC als Konkurrenten, achtet im globalen Uni-Wettbewerb vor allem aufs eigene Wohl – und ist deshalb so erfolgreich.

Ist Berkeley die beste Hochschule der Welt? »Ja.« Pause. »Ja, sonst wäre ich nicht hierher gekommen.« Warum? »Gerade weil wir eine staatliche Hochschule sind. Wir dienen dem Gemeinwesen.«

Wie staatlich ist Berkeley noch? Es hat im vergangenen Jahr 318 Millionen Dollar von privaten Spendern erlöst. »Die Universität hat verstanden, dass sie neben der öffentlichen auch private Unterstützung braucht. Aber das ändert nichts daran, dass wir eine staatliche Einrichtung sind und einen staatlichen Auftrag haben.«

Ist Berkeley ein Vorbild für deutsche Unis? »Klar. Schauen Sie sich die Forschung an: Berkeley steht für beste Grundlagenforschung. Wir haben keine Max-Planck-Institute, die die besten Leute aus Lehre und Ausbildung abziehen.«

Wer verstehen möchte, was Birgeneau meint, muss nur die Hügel hinter der Hochschule hochfahren. Dort steht das Lawrence Berkeley National Laboratory, kurz Berkeley Lab, eine gigantische Großforschungseinrichtung, finanziert vom amerikanischen Energieministerium, betrieben von der UC. In einem seiner Teile, dem National Center for Electron Microscopy, arbeitet der Physiker Christian Kisielowski, in Köln habilitiert und auf der Flucht vor dem deutschen Stellenmangel in Berkeley angekommen. Kisielowski kümmert sich darum, dass Forscher die Hochleistungsmikroskope des Center nutzen können. Je mehr Gruppen, desto mehr Zuschüsse. Kisielowski zeigt auf eine Weltkarte mit vielen roten Punkten: »Von überall her haben wir Gruppen gehabt.« In Deutschland sind Forschungsinstitute deutlich abgeriegelter. »Dort hängt alles vom Willen des Chefs ab, hier zählt, wie gut wir der Gemeinschaft helfen.«, sagt Kisielowski.

Dass von dieser Durchlässigkeit vor allem die Forscher am Fuß des Lab, die Forscher in Berkeley, profitieren, liegt auf der Hand. Viele Mitarbeiter des Labors sind gleichzeitig an der Hochschule tätig; viele Berkeley-Profs nutzen das Labor für ihre Forschung.

Doch auch Studenten wie Johanna Heideker, 24, dürfen an die teuren Apparaturen des Berkeley Lab. Heideker, eine Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes, schreibt noch bis Mitte Dezember ihre Biologie-Diplomarbeit in Berkeley, sie forscht über das Protein NtrC4. Schon viermal hat sie am Berkeley Lab an einem großen Teilchenbeschleuniger gearbeitet. »In Deutschland wäre ich da gar nicht rangekommen.« In Berkeley hat sie sich nur eingetragen – und bekam dann Zeit am Wochenende zugeteilt. »Ich hätte nie gedacht, dass ich mal damit arbeiten kann«, sagt Heideker. »Man fühlt sich hier einfach wie ein richtiger Wissenschaftler.«

 
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