Über solche Zäune hätten sich die Grenzschutztruppen der DDR gefreut. Der "antifaschistische Schutzwall" des sozialistischen Regimes war ein krudes Bauwerk gegen die High-Tech-Anlagen in Ceuta und Melilla. Und nun, nach den Anstürmen der Afrikaner, nach den Todesstürzen und Schüssen, die vermutlich nie restlos aufgeklärt werden, soll der Schutzwall gegen Afrika noch verstärkt werden. Er besteht bisher aus Doppelzäunen, drei bis sechs Meter hoch, gekrönt von Stacheldraht. Auf einem Postenweg im Inneren gehen die spanischen Grenzer auf Streife. Angeblich feuerten sie, anders als später die Marokkaner, nur mit Gummigeschossen. Aber wie kam es dann zu den Todesschüssen auf etliche der Verzweifelten? BILD

Nun wird die Guardia Civil von mehreren Hundertschaften der regulären spanischen Armee unterstützt. Ob diese bei erneuten Anstürmen von ihren Waffen Gebrauch machen, steht dahin. Werden sie, wie die marokkanischen Soldaten, im Gewirr eines neuen "Überfalls" zur "Selbstverteidigung" mit scharfer Munition schießen?

Aus vermeintlich humanitären Gründen soll ein dritter Zaun hochgezogen werden. So gebaut, dass die Afrikaner ihn gar nicht erst erklimmen können. Diese weitere Sperre wird dann aus einem drei Meter breiten Drahtlabyrinth zwischen zwei Meter hohen Betonpfeilern bestehen. Schon jetzt werden "Stacheldrahtkissen", welch ein Unwort, zwischen den beiden vorhandenen Zäunen ausgelegt. Europas Vorposten igeln sich weiter ein. Natodraht gegen die Schwarzen. 26 Millionen Euro sollen allein für die technisch raffinierte neue Konstruktion ausgegeben werden.

Vorgeblich will nun auch Spanien die rigide europäische Abwehrpolitik verfolgen. Zugleich aber dürstet seine boomende Wirtschaft nach billigen Arbeitskräften. Ganz gleich, was in den Exklaven geschieht, es werden immer wieder illegale Immigranten gebraucht, ja geradezu eingeladen.

Marokko erkennt die Stacheldrahtgrenze nicht an

Auch die Abschiebung der 73 Afrikaner, vermeintlich aus Mali, hat etwas Bizarres. Diese Flüchtlinge ohne Papiere wurden per Schiff von Melilla in die südspanische Großstadt Málaga verfrachtet, dann in die Hafenstadt Algeciras gefahren und mit einer der regelmäßig verkehrenden Fähren wiederum nach Tanger geschickt. Warum die Umwege?

Sie sind in der Geschichte eines bis heute nicht gelösten Grenzkonflikts begründet. Melilla mit seinen 70000 Einwohnern wurde im Jahre 1497 von der spanischen Armada erobert, Ceuta mit 75000 Einwohnern im Jahre 1580. Beide im Zuge der Reconquista, in welcher die Christen die Muslime aus Andalusien vertrieben. Gewaltige mittelalterliche Festungsanlagen stehen noch heute als Zeugnisse der damaligen Abwehr der "Moros".