Für eine durchgreifende Steuerreform, die Deutschland dringend braucht, lässt die erste gemeinsame Amtshandlung von Schwarz-Rot wenig Gutes ahnen. Noch bevor CDU/CSU und SPD überhaupt formelle Koalitionsverhandlungen aufgenommen haben, gab die Unionsspitze der Forderung der Sozialdemokraten nach, keinesfalls die Steuerfreiheit der Lohnzuschläge für Nacht- und Feiertagsarbeit zu streichen. Als ob es nicht lohnendere Preise für die Zustimmung der Sozialdemokraten zur Kanzlerin Merkel gegeben hätte.

Was ist von dem Versprechen zu halten, dass das Einkommensteuerrecht vereinfacht wird, um mehr Effizienz und Gerechtigkeit zu erreichen, wenn schon vorab eine wichtige Steuervergünstigung für sakrosankt erklärt wird?

Dahinter steckt genau das Klientel-Denken, das in der Vergangenheit für die Wucherungen des Steuersystems gesorgt und alle Bemühungen um eine echte Reform blockiert hat.

Zweifellos kann es nicht das Ziel einer Steuerreform sein, die Krankenschwester steuerlich zu belasten, um die Entlastung für den Chefarzt zu finanzieren. Aber wer ein einfaches, transparentes und gerechtes Steuersystem will, muss alle - wirklich alle! - unsinnigen Vergünstigungen und Ausnahmen abschaffen. Dazu gehört auch die Lohnsubventionierung der Nachtarbeiter. Erst wenn dies geregelt und fest vereinbart ist, kann der neue Steuertarif festgelegt werden.

Merke: Nur das gesamte System, die Bemessungsgrundlage und der Tarif, erlaubt ein Urteil darüber, ob die Bürger künftig gerechter besteuert werden - nicht aber das Festhalten an einer bestimmten Vergünstigung.