Die Polen fliegen auf Schönefeld

Seit der Osterweiterung nutzen die Nachbarn deutsche Flughäfen von 

Sie starten von Berlin aus, von Leipzig/Halle oder von Dresden: Die Zuwachsraten ostdeutscher Flughäfen sind nicht mehr nur einheimischen Passagieren zu verdanken, sondern auch den Nachbarn aus den neuen EU-Ländern, allen voran Polen. Für unsere Parkplätze verteilen wir Parkgutscheine auch in tschechischen und polnischen Reisebüros, sagt Petra Siebert, Pressesprecherin des Dresdner Flughafens, der außerdem seine Internet-Seite in den Sprachen der Nachbarn anbietet. Zwischen WrocIaw (Breslau) und dem sächsischen Flughafen pendelt zweimal täglich ein Shuttle-Bus, der die Passagiere für 19 Euro über die Grenze fährt. Von Stadt zu Stadt sind es 275 Kilometer. Die Kunden aus Schlesien und aus Nordböhmen sind uns sehr wichtig, betont Petra Siebert. In Dresden stieg die Passagierzahl im Linienverkehr im vergangenen Jahr um 18,5 Prozent. Das liegt am Boom im Low-Cost-Segment, heißt es am Dresdner Flughafen. Teil daran haben auch die Fluggäste aus dem Osten. Gezählt hat man sie bis jetzt allerdings nicht.

Anders die Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld. Bei uns hat sich die Zahl der polnischen Passagiere seit der EU-Osterweiterung im letzten Jahr mehr als verdoppelt, sagt der für beide Flughäfen zuständige Pressesprecher Eberhard Elie. 170 000 Buchungen - und die Zahl steige weiterhin steil an.

Anzeige

Im Osten liegen die Wachstumsmärkte, sagt er. Für uns hört das Einzugsgebiet nicht an der polnischen Grenze auf, der gesamte Wirtschaftsraum dahinter, bis nach Poznán und rauf an die Ostsee, gehört dazu, sagt Elie. In den Städten Poznán (Posen) und Szczecin (Stettin) präsentieren sich die Berliner Flughäfen auf Messen und mit einem regelmäßigen Rundschreiben auf Polnisch an die Mitarbeiter der Reisebüros, die auch schon mal zur Flughafenbesichtigung nach Berlin eingeladen werden.

Bei uns stehen im Sommer viele Autos mit polnischen Nummernschildern auf dem Parkplatz, sagt auch Uwe Schuhart, Sprecher des Flughafens Leipzig/Halle. In Sachsen haben die Nachbarn ebenfalls zum Anstieg der Passagierzahlen beigetragen. Im letzten Halbjahr lag in Leipzig der Zuwachs bei fünfeinhalb Prozent.

Erst in Poznán gibt es, von Berlin aus gesehen, den nächsten größeren polnischen Flughafen. Aber von dort sind die Flüge meistens teurer als von Deutschland, sagt Marita Bok vom Reisebüro Top im polnischen Gorzów (Landsberg), 150 Kilometer östlich von Berlin. Vor allem Billigflieger wie easyJet oder Ryanair sind bei den Nachbarn beliebt: Seit dem 1. Mai 2004 fliegen sie nach Osteuropa und werden gern auch als Zubringer genutzt.

Krakauer, die einen günstigen Urlaubsflug von Berlin-Schönefeld oder Tegel aus in den Süden buchen, nehmen die easyJet-Verbindung Krakau-Berlin. Das Gleiche gilt für preiswerte Charterflüge ab Düsseldorf, das mit der Easyjet-Verbindung Krakau-Dortmund zu erreichen ist. Polen fliegen auch mit Ryanair von Gda°sk (Danzig) oder Rzeszów aus nach Frankfurt/Hahn, um dann von Frankfurt am Main aus weiter zu reisen.

Türkei, Tunesien, Kreta, das sind beliebte Urlaubsziele, sagt Maria Baumgartner, die sich in Warschau um die Geschäfte der 25 polnischen Reisebüros kümmert, die der deutschen TUI gehören. Im Vorjahresvergleich haben wir ein Viertel mehr Buchungen, sagt sie und verweist auf die wachsende Kaufkraft der 38 Millionen Polen. Für diejenigen unter ihnen, die weit im Westen leben, sei es allerdings am bequemsten, sich in deutschen Grenzstädten wie Görlitz oder Guben beraten zu lassen und dort auch ihre Reisen zu buchen. Geschätzt würden von den polnischen Kunden besonders die gute Organisation, die Rechtssicherheit und der Preis, der, auch wenn es sich nicht um Schnäppchen aus dem Internet handelte, oft günstiger sei als in Polen.

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Schlagworte Polen | Billigflieger | EU-Osterweiterung | Flughafen | Reisebüro | Ryanair
Service