Wir sind die Ersten, die einen Wettbewerber wegen Monopolmissbrauchs verklagen", sagt Jens Drews, Direktor für Behördenbeziehungen beim Chiphersteller AMD. Die Freude darüber, dass er dem Widersacher den Prozessorkrieg erklären darf, ist ihm anzusehen, wenn er Zitate aus der Klageschrift pickt.

Darin wird Intel vorgeworfen, eine weltweite Kampagne mit dem Ziel zu führen, "Kunden unter Ausübung von Zwang davon abzuhalten, mit AMD Geschäfte zu machen". Außerdem beschuldigt AMD seinen Rivalen, insgesamt 38 Computerhersteller bestochen zu haben, damit AMD als Lieferant außen vor blieb; darunter IBM, Dell, Toshiba, Hewlett Packard, Sony oder Fujitsu Siemens.

Die Hersteller sollen die "Fördermittel für die Marktforschung" in dreistelliger Millionenhöhe dankbar angenommen haben, weil mit dem Bau der Geräte ohnehin wenig Geld zu verdienen sei. Wenn der Vorwurf zutrifft, machten sie sich selbst damit nicht strafbar, sondern nur moralisch angreifbar.

Intel soll ihnen außerdem noch horrende Rabatte gewährt haben, wenn sie über 80 Prozent ihres Einkaufs mit Intel-Chips abdeckten. Zusätzlich habe Intel sowohl Herstellern als auch Großhandelsketten wie Aldi oder Media Markt gedroht, sie "zu Guacamole-Brei" zu verarbeiten, "ihnen Schmerzen zuzufügen" oder sie "zu zerstören", falls sie dennoch AMD-Produkte verwendeten, sagt der kleine Angreifer.

Der Vorstand der Firma Compaq wird in der Klageschrift beispielsweise mit der Aussage zitiert, Intel habe die Lieferung wichtiger Bauteile gestoppt, ihm damit "die Pistole an den Kopf gehalten" und gefordert, die Geschäftsbeziehung zu AMD zu beenden.

Selbst langjährige AMD-Kunden unter den PC-Herstellern reduzierten von einem Quartal auf das nächste den Chip-Einbau von 50000 Stück auf null. Obwohl Fachpresse und Industrie die Prozessoren mit 70 Preisen dekorierten und AMD zum Technologieführer und Prozessorhersteller des Jahres 2005 kürten, konnte der Herausforderer seit 2000 keine neuen Marktanteile gewinnen. "Daran sehen Sie, dass es nicht mit rechten Dingen zugeht", sagt Drews.