Ein Film, der von Alltäglichem handelt, steht vor einem Problem. Was er zeigt, soll authentisch sein - wie er es zeigt dagegen den Regeln des Erzählkinos gehorchen. Die Dokumentation Was lebst Du? will diesen Widerspruch nicht auflösen. Der Film begleitet den Alltag von Ali, Kais, Ertan und Alban, vier Jugendlichen aus Köln, zwischen 16 und 20 Jahre alt.

Ihre Eltern kommen aus dem Kosovo, aus der Türkei, aus Tunesien und Marokko.

Zwei Jahre lang hat Bettina Braun, Absolventin der Kölner Kunsthochschule für Medien, die vier mit der Handkamera gefilmt. Wissend, dass sie durch ihre Gegenwart verändert, was sie zeigen will, hat sie sich dabei von vornherein mit einbezogen. Was lebst Du? ist das Protokoll einer Begegnung. Behutsam spürt der Film den Wünschen der jungen Männer nach: Frisör werden. - Es zu etwas bringen. Unvoreingenommen gibt er ihnen Raum für ihre Selbstinszenierungen: Ich werde noch ein ganz Großer. - Ein ganz großer was? - Ein ganz großer Rapper. Darüber hinaus passiert nicht viel: im Jugendzentrum abhängen. Zu einem Casting gehen und nicht genommen werden. Die Ausbildung abbrechen. Einer tritt am Ende in einem Jugendmusical auf - er hat die Hauptrolle bekommen. Doch der Film hütet sich davor, eine Erfolgsstory daraus zu basteln. Hier wird der Alltag nicht aus irgendeinem thesenhaften Blickwinkel zurechtinszeniert: als Beleg für gescheiterte oder gelingende Integration oder als Ausdruck des Lebens in einer Parallelgesellschaft.

Vielmehr hat Bettina Braun den Mut zum Tagein, Tagaus, das alles andere als einfach ist - Mann! Warum ist das Leben so krass?