Es fliegt einfach so herein, dieses lichte Stück, nur eine kleine dunkle Welle von Akkorden geht ihm voraus, so als müsste einer erst die Jalousien aufdrücken, damit aus dem Garten Sonne ins Landhaus fällt. Eigentlich sollte man bei diesem Komponisten auf allzu gefällige Bilder verzichten, denn gerade Harmlosigkeit ist ihm immer wieder vorgeworfen worden, dem scheinbar so mühelos schreibenden Camille Saint-Saëns. Doch sein Klaviertrio F-Dur ist so sonnig, so den Dunkelheiten und Dramen der Romantik entronnen, aus der es sich zugleich speist, dass auch seine Melancholien und Schatten den Garten nur einladender machen, in den uns der 29-Jährige führt, ein zivilisiertes Paradies zwischen Sommer und Herbst.

Oder auch zwischen Zweitem Kaiserreich und Dritter Republik in Frankreich.

Man spürt ein Behagen, das nicht mehr lange währen kann und in Behäbigkeit umschlagen würde, wäre hier nicht ein immens neugieriger, erfindungsreicher und glücksversessener Musiker am Werk. Die Raffinesse, mit der er vorgeht, die Synkopen, die so beschwingt wirken, die makellosen Proportionen bemerkt man eher beiläufig. Das Einleuchtende daran verdankt sich auch einer Eigenschaft, zu der Saint-Saëns sich gern bekannte, dem Eklektizismus. Er borgte bei Schumann und Mendelssohn, es gibt aber auch Barockes und Renaissanceharmonien. Und, wie im Andante, ein Folklorethema aus der Auvergne, ein wehmütiges.

Wie das Trio Wanderer dieses Thema spielt, mit dudelsackartig geraden Liegetönen, das ist typisch für diese Musiker. Gerade weil sie bei Saint-Saëns neben der Eleganz auch das Herbe, Gebrochene herausarbeiten, ist der Weg umso spannender, auf dem in der Partitur das Schlichte veredelt wird und das Wehmütige immer da sich wendet, wo es zur Depression führen könnte.

Im Scherzo lässt Vincent Coq seine Klaviertöne so fein flimmern, dass man durch sie wie durch Wasser auf die Ranken der Streicher blickt, die Töne des Geigers Jean-Marc Phillips-Varjabédian und des Cellisten Raphaël Pidoux.

Drei Jahrzehnte später schrieb der Komponist noch ein Werk für diese Besetzung, diesmal in e-Moll, bedeutsam, aber überladen. Es hat auf dieser CD (harmonia mundi HMC 901862/Helikon) durchaus seinen Sinn. Erst recht lernt man das Glück schätzen, dem Saint-Saëns im ersten Trio alle Fenster öffnete.