Eine gute Nachricht gab es tatsächlich in den vergangenen Wochen. Das Affenweibchen Ai Ai hörte im Pekinger Zoo mit dem Rauchen auf, nach 16 Jahren, von einem Tag auf den anderen. Wieso, weiß kein Tierwärter, die Pfleger rauchen alle, und sie spendieren gern mal eine. Das Regieren, zugegeben, gibt man nicht einfach auf wie das Rauchen. Der Regierer inhaliert tiefer. Schon gar nicht gibt man es auf, wenn man von Hillu per Boulevardpresse aufgefordert wird, man möchte seine schlechten Gewohnheiten ablegen. Ein jeder Mann wird sich in einem solchen Augenblick in ein trotziges, zähes Schnitzel verwandeln, testosteronüberschwemmt und von Gott geschaffen, auf ewig auf dem Teller liegen zu bleiben.

Währenddessen ging der diesjährige Nobelpreis für politische Chemie an das deutsche Exzellenzquartett Schröder, Merkel, Müntefering und Stoiber. Am vergangenen Sonntag gelang es ihm, unter hohem Druck eine nachweisbare Menge der seltenen, geradezu unwahrscheinlichen Substanz Vertrauen herzustellen.

Vertrauena macht unter anderem große Schnitzel weich und weg. Das wussten wir bisher nicht, und es ist so weit die zweitbeste Nachricht.

Jetzt schon beginnen wir, Ludwig Stiegler zu vermissen. Der öffentliche Stiegler war ein toxisches Nebenprodukt, das bei der Herstellung von Vertrauena angefallen war. Man muss zugeben, der seltsamste Politiker der Welt hat seine Medienviertelstunde genutzt. Eine Zeit lang half nicht einmal das Zappen mehr, kanalübergreifend schimpfende rote Pullis, Deutschlands heftigstes Pop-up. Also TV aus, Radio an, wieder Stiegler - und so fort. Er war der Nervensäger der Neoliberalen, der Beleidiger reicher Merkel-Damen, Wehner redivivus, Beck und Wowi übers Plappermaul fahrend. Er schaffte es, dass die SPD-Linke, die monatelang ihren Agenda-Kanzler grillte, am Ende aussah wie eine Squadron Fähnchen schwenkender Rotgerdisten.

Und wenn irgendwann das Deutsche Historische Museum in Berlin wieder aufmacht, wollen wir in einen eigenen Stiegler-Saal treten, mit Videoinstallation, besser mit Kurzauftritten des ehemals seltsamsten Politikers der Welt, um 12, 14 und 16 Uhr, wir wollen das unseren Kindern zeigen, sie sollen sehen, wie viel Schweiß und Rede vergossen werden musste, damit Vertrauena entstehen und alles so bleiben konnte, wie es war. Bloß der Pullover wird in keiner Vitrine zu sehen sein. Ihn kauft sich die Süddeutsche Zeitung in München, wo er nun Leitartikler wärmt. Sein Fluidum dient dem Erhalt des Schnitzelhaften in den innenpolitischen Kommentaren.

Man hat ja von der inneren Kultur der Union ein ganz anderes Bild als von den Verhältnissen in der SPD. Jenseits der schwiegersohnhaften Schauseite ist der Beobachter darauf vorbereitet, bei der CDU auf die Schrecknisse der negativen Anthropologie zu stoßen. Immer der Verdacht, es gehe in ihr wölfisch zu, und Machiavelli und Hobbes hätten ihre Traktate von der Unterwerfung am Reißbrett der christlichen Union verfasst, ob zu deren Rettung oder Verdammnis, sei einmal dahingestellt. Ganz anders wirkt von außen die SPD: eine diskursiv delirierende Gesamtschule. Heilloses Tohuwabohu herrscht in ihr, dann wieder schnauzt jemand herum, und am Endes des Schuljahrs bekommen alle eine Zwei.

Und nun die Kohabitation von Mördergrube und Schule in einer Regierung des Vertrauensa. Was gibt das? Eine Berlin-Neuköllner Extrem-Penne, mit zero tolerance, wo die Schwiegersöhne morgens bitte die Waffen abgeben?