Haben Sie schon Grippemedikamente wie Tamiflu oder Relenza bei sich zu Hause?

Nein. Wir raten nicht zu einer individuellen Bevorratung, weil es gar nicht ausreichend Medikamente geben würde. Nur so können die Länder im Ernstfall die Bedürftigen versorgen. Außerdem sind diese Arzneimittel rezeptpflichtig, da sie unter ärztlicher Kontrolle genommen werden müssen. Das ist wichtig. Unterdosierungen können die Entstehung von resistenten Viren begünstigen.

Die Vogelgrippe ist in Europa angekommen – in der Türkei und in Rumänien verenden Puten und Enten. Machen Sie sich mehr Sorgen um die Geflügelbestände oder um die Bevölkerung?

Zunächst muss man sich um unser Geflügel sorgen. Eine Vogelgrippe ist eine Vogelgrippe, egal ob es sich dabei um das gefährliche H5N1-Virus aus Südostasien handelt oder ein anderes. Noch ist es vor allem eine Tierkrankheit, auch wenn es etwa 60 Todesfälle unter Menschen verursacht hat. Aber je weiter es sich ausbreitet, desto größer wird die Gefahr, dass es sich anpasst und von Mensch zu Mensch übertragbar wird. Dann droht uns eine Pandemie.

Würde der jetzt verfügbare Impfstoff gegen das Vogelgrippevirus H5N1 schützen?

Nein, der verfügbare Impfstoff schützt vor den typischen Influenzaviren, die uns jeden Winter heimsuchen. Wir müssen leider davon ausgehen, dass er gegen eine Vogelgrippe nicht wirkt.

Was können die Behörden dann gegen eine potenzielle Vogelgrippe-Epidemie unternehmen?

Erstens muss schnell ein Impfstoff produziert werden. Die Herstellung dauert aber in jedem Fall zu lange, um gegen die erste Erkrankungswelle zu helfen. Erkrankte müssen mit den modernen Influenzamitteln behandelt werden. Ansonsten bleiben uns die üblichen Quarantänemaßnahmen. Sportliche und kulturelle Massenveranstaltungen müssen wohl verboten werden.

In Österreich wird bereits empfohlen, Vorräte an Atemschutzmasken anzulegen. Sollten die Deutschen das auch tun?

Bei einer Pandemie sollten sich alle schützen, die mit Erkrankten Kontakt haben. Es wäre ratsam, Einwegtaschentücher zu verwenden und auf gute Händehygiene zu achten. Ein eng anliegender Mund-Nase-Schutz kann vermutlich das Risiko verringern, Daten zur Schutzwirkung liegen bisher nicht vor. Einlagige Masken sind aber unwirksam.

Die Fragen stellte Ulrich Bahnsen