Als freie Honorarmitarbeiterin fing Hilde von Lang 1969 bei der ZEIT an, zu einem monatlichen Salär von 2000 Mark - im Auftrag von Gerd Bucerius, dem Gründer des Blattes, sollte sie einen Stellenanzeigenteil aufbauen. Drei Jahre später wurde sie fest angestellt, zuständig für Werbung, Media- und Marktforschung. Im Laufe der Jahre wuchs sie jedoch immer stärker in eine zentrale Stellung hinein.

Sie hatte ihr Jurastudium unterbrochen, geheiratet, einen Sohn bekommen. Dann wurde sie Journalistin und schrieb Klatschgeschichten für die Neue Post.

Eines Tages traf sie Bucerius und fragte ihn, ob sie nicht bei der ZEIT etwas Redaktionelles machen könne. Der Verleger sagte nein, aber im Verlag habe er etwas für sie: Anzeigen-Akquise. So ging sie auf Reisen, übernachtete in billigen Hotels, in denen sie sich zum Abendessen mit einer Tafel Schokolade begnügte. Der Stellenteil mit seinem Schwerpunkt auf dem universitären und öffentlichen Bereich wurde ein großer Erfolg.

1972 wurde Hilde von Lang zuständig für Werbung, Media- und Marktforschung.

Und das war nur der Anfang einer steilen, durch Kompetenz und kontinuierliche Arbeit beförderten Karriere: 1973 Prokuristin - 1977 Mitglied der Geschäftsführung - 1985 alleinzeichnungsberechtigte Generalbevollmächtigte und neben Helmut Schmidt gleichberechtigte Verlegerin der ZEIT, verantwortlich vornehmlich für die geschäftliche Seite, bis sich der frühere Bundeskanzler, der in dem Zweiergespann für die publizistische Seite zuständig war, ganz auf den Herausgeber-Posten zurückzog. Bis 1999 blieb sie in der Geschäftsführung, und noch immer ist sie Mitglied des Aufsichtsrates.

Als Testamentsvollstreckerin von Gerd Bucerius, der 1995 starb, verkaufte Hilde von Lang den Zeitverlag - ganz im Sinne des Gründers - an die Verlagsgruppe Holtzbrinck. Gerd Bucerius war sie nach und nach Gesprächspartnerin, Vertraute, schließlich Lebensgefährtin geworden. Mit ihr an seiner Seite war der quirlige, sprunghafte, ständig getriebene und antreibende Verleger leichter zu ertragen - oft wetterte er bei ihr nach Dienstschluss ab, was sonst direkt auf die Köpfe der Redakteure niedergeprasselt wäre.

Verlagsleitern flicht die Umwelt selten Kränze. Den Lorbeer heimsen meist die Journalisten ein - doch deren Ruhm gründet allemal auf der Verlässlichkeit und Redlichkeit, dem Wagemut und Wirklichkeitssinn, der Einfallskraft und Leidensfähigkeit der Verleger. Hilde von Lang war keine politische Verlegerin. Das sollte sie auch nie sein. In ihrem Vertrag vom 13. August 1974 hieß es: Sie hält den Kontakt zur Chefredaktion und koordiniert alle die Redaktion betreffenden Verwaltungsangelegenheiten.