Gerne verweist die Deutsche Post auf die "traditionell guten Beziehungen" zur japanischen Post. Auch zur japanischen Regierung pflegt der Logistikkonzern enge Bande. Im Januar war Vorstandschef Klaus Zumwinkel in Tokyo, um mit Ministerpräsident Junichiro Koizumi zum wiederholten Mal über seine Erfahrungen bei der Privatisierung eines Staatskonzerns zu sprechen. Umgekehrt haben schon mehrere Delegationen der japanischen Regierung und Manager der japanischen Post die Konzernzentrale in Bonn besucht.

Von einem Einstieg will man im Post-Tower dennoch nichts wissen. "Wir haben aus heutiger Gesamtsicht kein Interesse", sagte Zumwinkel im März. Als Grund nannte er, dass es "keine Perspektive für Anteilsverkäufe an Ausländer" gebe.

Das könnte sich schon bald ändern. Sollten die Details der Privatisierung nach der Grundsatzentscheidung des Parlaments klarer werden und das Interesse der Deutschen Post erwachen, bliebe allerdings abzuwarten, ob die guten Beziehungen hilfreich wären – Anfang 2005 berichtete der Branchendienst KEP-Meldungen, dass die japanische Post und die niederländische Post TPG künftig kooperieren. Beobachtern zufolge hätte TPG derzeit mehr Chancen auf einen Einstieg.

Dass Zumwinkel die anstehende Privatisierung genauestens verfolgen wird, dafür spricht jedoch schon die Tatsache, dass es sich bei Japan nach den USA um den zweitgrößten Briefmarkt der Welt handelt. So transportiert Schätzungen zufolge allein die japanische Post mehr als 25 Milliarden Sendungen pro Jahr. Ihr vorbehalten ist unter anderem der innerjapanische Transport von Briefen. Andere Bereiche, wie der Versand von Zeitschriften, Katalogen oder Schecks, fallen nicht unter das Monopol.

In den Bereichen, die für Wettbewerb offen sind, ist die Deutsche Post bereits aktiv, und das "sehr erfolgreich", wie es heißt. Die Dokumente und Pakete transportierende Expresstochter DHL verfügt über 70 Standorte und sieht sich im Expressbereich mit fast 30 Prozent Marktanteil als führende Dienstleisterin im Land.

Auch DHL Global Mail, die internationale Briefsparte der Deutschen Post, hat erste Fühler ausgestreckt. Ende 2004 beschloss der Konzern, bei internationalen Briefsendungen von und nach Japan mit Yamato Transport zusammenzuarbeiten – einem Unternehmen, das sein Geld vor allem als Spediteur und mit Pakettransporten verdient und dessen 140000 Beschäftigte im Geschäftsjahr 2005 einen Umsatz von fast zehn Milliarden Dollar erwirtschafteten. Yamato gilt potenziell als ein großer Konkurrent des defizitären Zustelldienstes der japanischen Post. Präsident Atsushi Yamazaki erwartet, dass mit der Privatisierung "der Wettbewerb in der Postindustrie weiter zunehmen wird".

Für die Deutsche Post ist Japan Teil ihrer Internationalisierungsstrategie, mit der sie sich auf das voraussichtliche Ende des Monopols und damit auf Umsatzeinbrüche auf dem deutschen Briefmarkt ab 2008 vorbereitet. Asien kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Zum einen rangiert DHL hier vor den US-Wettbewerbern UPS und Federal Express, zum anderen sorgt vor allem China für ein enorm wachsendes Geschäft. So gab DHL vergangene Woche bekannt, die Kapazitäten des Hauptumschlagplatzes Hongkong für 110 Millionen Dollar verdoppeln zu wollen – viel früher als geplant und gerade einmal ein Jahr nach der Eröffnung.sto