DIE ZEIT: Herr Kölmel, Sie sind der erste Pleitier des Neuen Markts, der mit dem identischen Geschäftsmodell ein Comeback versucht. Haben Sie noch nicht genug vom Filmhandel?

Michael Kölmel: Nein, es ist ein interessantes Geschäftsfeld – und es läuft gut.

ZEIT: Was heißt "gut laufen"?

Kölmel: Die Kinowelt wird in diesem Jahr etwa 70 Millionen Euro umsetzen und ist sehr profitabel.

ZEIT: Wie profitabel?

Kölmel: Wir reden über mehr als 30 Prozent Umsatzrendite, also vor Investitionen.

ZEIT: Für viele sind Sie trotzdem der gescheiterter Michael Kölmel, der mehrmals für eine Nacht in Untersuchungshaft saß. Berührt Sie das?

Kölmel: Das Gefängnis ist so ein Thema… hm… Ich fand das unheimlich demütigend.

ZEIT: Was genau?

Kölmel: Einmal, dass mir unterstellt wurde, ich hätte mit unlauteren Mitteln gearbeitet. Dass man mir vorwarf, extrem gegen die Regeln verstoßen zu haben. Dass ich ein Ganove sei.

ZEIT: Was hat sich noch eingebrannt?

Kölmel: Wenn man ein Auge für filmische Szenen hat, dann beobachtet man sehr genau: Was machen die Mitgefangenen? Was die Gefängniswärter? Sie beobachten sich selbst aus der Distanz. Sie wissen ja gar nicht, wie Sie sich verhalten sollen. Da werden Fotos gemacht, Sie werden erkennungsdienstlich behandelt, und Sie müssen Ihr Geld abgeben. Ich hatte damals englische Pfund dabei, da hieß es: Wir kennen sonst nur albanisches Geld.

ZEIT: War es beim zweiten Mal anders?

Kölmel: Beim zweiten Mal habe ich gefragt, ob es vielleicht etwas zu lesen gibt. Da wurde mir geantwortet, die Bibliothek mache erst ein paar Tage später wieder auf, es wären aber gerade Bücher aussortiert worden, die lägen noch im Mülleimer. Dann stehen Sie vor der Entscheidung: Wühlen Sie im Mülleimer oder nicht? Ich habe es getan und ein Buch über Heimat mit einem Beitrag von Edgar Reitz gefunden. Wir hatten gerade die Kino- und DVD-Rechte an Reitz’ Heimat- Trilogie gekauft und bereiteten die Kino-Premiere zu HeimatIII vor. Es war schon irgendwie aberwitzig.

ZEIT: Die Vorwürfe gegen Sie lauteten: Betrug. Untreue. Persönliche Bereicherung auf Kosten der anderen Aktionäre.

Kölmel: Ich hätte damit leben können, für einen wirtschaftlichen Zusammenbruch verantwortlich zu sein. Was schlimm genug ist, obwohl diese Entwicklung viele traf. Doch diese exzessive strafrechtliche Verfolgung konnte ich einfach nicht verstehen.

ZEIT: Ins Gefängnis gebracht hat Sie das erste Mal ein Gutachten Ihres Insolvenzverwalters. Es muss einen Punkt gegeben haben, an dem er beschlossen hat, dass Sie dorthin gehören.

Kölmel: Vielleicht war es, als ich seine Arbeitsweise infrage gestellt habe. Zunächst hatte der Insolvenzverwalter für sein Sanierungskonzept ja die Mehrheit der Gläubiger hinter sich. Und dann kommen wir, haben einen eigenen Plan und überzeugen nach und nach die Mehrheit von unserer Idee. Da wäre ich als Insolvenzverwalter vielleicht auch gekränkt. Am 2. Oktober 2002 habe ich dann den Kaufvertrag unterschrieben, um wesentliche Teile der alten Kinowelt von den Gläubigern zurückzukaufen, am 30. Oktober sollte gezahlt werden, doch am 28. Oktober bin ich verhaftet worden. Auf Betreiben des Insolvenzverwalters.

ZEIT: Sie sind in vier Fällen wegen Untreue verurteilt worden, aber in Revision gegangen, die am 22.November in Karlsruhe vor dem Bundesgerichtshof verhandelt wird. Worum geht es dort?

Kölmel: Ich habe allein ein Jahr und drei Monate auf Bewährung bekommen für einen Fall, da habe ich für eine Tochtergesellschaft gebürgt, die eine neue Zeitschrift auf den Markt bringen sollte. Damit der Axel Springer Verlag den Druckauftrag ohne Vorkasse annimmt, musste die Mutter Kinowelt Medien AG bürgen. Nachdem die Tochtergesellschaft ihre Geschäfte nach einiger Zeit eingestellt und ich eine andere Verlagsbeteiligung an den Springer-Verlag verkaufen wollte, hat Springer die Kinowelt nicht aus der Bürgschaft in Anspruch genommen, sondern einen Teil des mir zustehenden Kaufpreises einbehalten. Diesen Betrag hat mir dann die Kinowelt erstattet. Der Vorwurf lautet nun, die Bürgschaft sei ungültig gewesen, weil sie nur eine – meine – Unterschrift trug.