Diese Naturdokumentation wird lange als Marke herhalten, 1,8 Millionen Besucher in Frankreich, zweiterfolgreichster Dokumentarfilm aller Zeiten in den US-Kinos. Auf Plakaten prangt ein Kaiserpinguin mit seinem Küken. Der Vogel streckt seinen Kopf zu dem flauschigen Knäuel zu seinen Füßen. Es öffnet scheinbar klagend das Schnäbelchen - Tierkino neuen Stils. Dreizehn Monate lang hat der Tierfilmer Luc Jacquet mit zwei Kameramännern in der Antarktis verbracht und den Zyklus dokumentiert, der das Leben der Pinguine bestimmt: Jedes Jahr marschiert die gesamte Vogelsippe mit Trippelschritten zweihundert Kilometer von der Küste ins Landesinnere zu einem von Felsen umschlossenen Ort, dem Schauplatz für Balz, Paarung, Brut und Aufzucht der Pinguinküken. Nur zu futtern gibt es dort nichts, weshalb sich Elternpflichten und mühsame Pendelei zum fischreichen Meer abwechseln - Die Reise der Pinguine nennt Jacquet das. Vor eiskarg-wunderschöner Kulisse zeigt er intime Momente: Paarungstanz, Übergabe des empfindlichen Eies, Schlüpfen und erste Schritte der Kleinen. Doch kein Erzähler, kein Forscher (obwohl Jacquet selbst Zoologe ist) ordnet diese Bilder ein. Vielmehr werden den Vögeln Synchronstimmen in den Schnabel gelegt. Ein Weibchen und ein Männchen kommentieren mit klebrig-süßer Sprache ihre Gefühle. Als fiktional-subjektive Erzähler lassen sie den Zuschauer nicht über den Rand des Pinguinhorizonts hinausschauen. Dramaturgisch ist diese Vermenschlichung ein geschickter Kniff: Die zum Verwechseln ähnlichen Tiere werden scheinbar wiedererkennbar.

Damit erst bekommen sie die Qualität von Helden und der Film die Anmutung eines Dramas, das auch in die Gewinnmargen des Gefühlskinos vorstößt.