Roman Das Bein ist abSeite 3/3
Zerschlagenes Geschirr, Reue, Tränen, dann heißer Sex
So kommt Paul nicht zu dem Glück, das er wenigstens herausfordern wollte, und Elizabeth darf auf klägliche Weise Recht behalten. Ist es das, Mr. Coetzee, was Sie wollten? Und haben Sie deswegen Ihrem Helden eine so unsägliche Fantasie über die Ehe seiner Angebeteten unterstellt wie diese: ein vertrautes Verhältnis mit hin und wieder einem Streit, wie auf dem Balkan üblich, um dem Ganzen Würze zu geben: Vorwürfe, gegenseitige Beschuldigungen, zerschlagenes Geschirr, zugeworfene Türen. Darauf Reue und Tränen, dann heißer Sex. Dann heißer Sex.
Von Elizabeth erfahren wir jedenfalls auch in diesem Buch nicht viel mehr, als uns das erste anfänglich versprach, und alles in allem ist das nicht genug. Sie ist jedenfalls nicht die gegen alle Widrigkeiten erfinderische Frau, sondern sie ist die Anwältin des rechthaberischen Anstands, anders gesagt: Sie ist einfach langweilig.
Natürlich verfolgt Coetzee seine Geschichte mit Hintersinn, aber allzu offensichtlich möchte er zugleich moralisch korrekt bleiben. Interessante Romanfiguren entwickeln jedoch immer ein Eigenleben, und das ist es, was sie aufregend macht, für den Autor und dann auch für den Leser. Coetzee aber hat sich mit der kurzen Leine, an der Elizabeth Costello ihren Paul Rayment hält, selbst die Hände gebunden. Etwas angestrengt legt man das Buch beiseite, denkt an Schande und freut sich auf den nächsten Coetzee. Diesmal aber bitte ohne Frau Costello.
ZeitlupeRomanRoman; aus dem Englischen von Reinhild BöhnkeJ. M. CoetzeeBelletristikBuchFischer Verlag2005Frankfurt a. M.18,90301- Datum 02.05.2008 - 05:59 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 13.10.2005 Nr.42
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