Porträt Mein Geist aber ist klar

Zwischen ihrer Herkunft, einem Findelhaus in Manhattan, und ihrer heutigen Schreibstube in Brooklyn liegen Welten. Und ein Werk, das sich selbst treu bleibt. Ein Besuch bei der 82-jährigen amerikanischen Autorin Paula Fox

Es war einmal ein kleines Mädchen namens Luisa, das schon früh wusste, dass es niemals Prinzessin sein würde. Es begann, »mit den Augen und Ohren einer Außenseiterin zu sehen und zu hören«, lange bevor es sich den Kopf darüber zerbrechen konnte, wieso die Mama im Herrenhaus der Zuckerplantage putzte und der Papa dort seine Mutter, die Besitzerin, besuchte. Fremdheit gegenüber den anderen Kindern wird für Luisa so normal wie Fremdheit sich selbst gegenüber. So normal wie der Ort, an dem Trost ist: die Hütte von Nana, der Großmutter, wo diese konzentriert zuschaut, wenn das Kind eine Tasse Milchkaffee trinkt.

Eines Tages, Luisa ist noch nicht lange in der Schule, es ist das Jahr 1936, antwortet der Vater auf die Frage der Mutter, wohin sie angesichts der drohenden Revolution auf der karibischen Insel gehen wollten, »in die Vereinigten Staaten«, und Luisa wird von schrecklicher Angst gepackt: als zöge jemand »eine Hand weg«, der sie vorher »mit beiden Händen über den Kanal« gehalten hätte.

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Es gab ein Mädchen, das hieß Paula Fox und war wenige Tage alt, als die Eltern es 1923 im Findelhaus Manhattan abgaben. Das Kind wurde herumgereicht; ein Pfarrer, Mr. Elwood Corning aus dem Upstate New York, schaute sich das fünf Monate alte Baby in einer Pflegefamilie an, und (vielleicht, meint Paula Fox, habe sie gelächelt, jedenfalls:) er nahm es zu sich. Bis die Eltern, in Kalifornien wohnend, plötzlich befanden, die Fünfjährige solle in einen Zug gesetzt werden und auf unbestimmte Zeit zu ihnen kommen. Einmal besuchte sie der Pfarrer dort. Für Paula ein hoffnungsfrohes Zeichen: »Ich glaubte, vor Glück platzen zu müssen, befreit von einem einjährigen Fluch, wie ein Mädchen im Märchen.« Aber von den Eltern wieder fortgeschickt und zu Mr. Corning zurückgekehrt, dauerte es nur ein paar Tage, bis Paulas spanische Großmutter in der Tür stand, um mit ihr zurück nach New York City und später nach Kuba zu gehen. Auch diesen endgültigen Abschied – Höhepunkt in der Kette elterlicher Willkürakte – beschreibt sie in ihrer Autobiografie: »Es war viel schlimmer als die Verzauberung in einem Märchen. Mein Abschied von dem Pfarrer war eine Amputation.«

Paula Fox, die Schriftstellerin, wird noch oft von Mr. Corning erzählen und dass sie es ihm verdankt, »Loyalität mit mir selbst entwickelt zu haben. Er begegnete mir mit einem erwachsenen Respekt, von dem meine Eltern nichts hatten. Nicht der Respekt: ›Nach Ihnen, Madam‹, sondern der Respekt für das andere lebende Wesen. Er fand mich auch sehr komisch, ich machte immer Leute nach, und er konnte umfallen vor Lachen über mich, die Fünfjährige mit der tiefen Stimme.« Sie wird sagen: »Ich schreibe für das vernachlässigte Kind in mir selbst, und ich schreibe auch für Mr. Corning, der mir Lesen beibrachte mit knapp 5, der mir Alice in Wonderland gab, und das Dschungelbuch mit 6, das ich über alles liebte. Er erzählte von den Affenmenschen, die sehr gemein zu anderen Tieren seien – ich dachte immer, er spricht über Menschen!« Sie wird sagen, dass die Geschichten, die sie unentwegt erfunden und ihm erzählt hätte, eine frühe Form zu schreiben gewesen seien.

Und sie wird, als Frau von über 40, ein kleines Mädchen namens Luisa erfinden.

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