Geschlechtskrankheiten : Risiko Sex

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Der Erreger ist zudem äußerst raffiniert und macht es den Ärzten zunehmend schwer, ihn zu entdecken. Die Hälfte der Infektionen verläuft mittlerweile ganz ohne Symptome. Als die Syphilis Ende des 15. Jahrhunderts erstmals in Europa auftauchte, war das völlig anders. Der Reichsritter und Humanist Ulrich von Hutten, der selbst an der Krankheit litt, berichtete von eichelgroßen, dunkelgrünen Geschwüren und Schmerzen wie Feuer. Schon wenige Jahre später war die Syphilis kaum wiederzuerkennen. 1519 schrieb er: »Die sich nachhero gezeiget hat, und noch hin und wieder im Schwange gehet, ist nicht so garstig.«

Der Biologe Robert Knell von der University of London erklärt das mit natürlicher Selektion. Bakterienstämme, die weniger offensichtliche Symptome verursachten, konnten sich besser ausbreiten, weil sie Sexpartner nicht abschreckten. In Zukunft wird sich Treponema pallidum noch besser tarnen und leichter verbreiten, sagt Knell voraus. Wegen der schnellen und einfachen Behandlung mit Penicillin seien Erreger im Vorteil, die schwieriger aufzuspüren und im Frühstadium ansteckender sind.

Seit den vierziger Jahren hat die Syphilis dank Antibiotika ihren großen Schrecken verloren, äußerst selten ist das Spätstadium geworden: Dabei können Geschwüre alle Organe befallen, Veränderungen in der Gefäßwand der Aorta können die Hauptschlagader reißen lassen. Wenn das Rückenmark oder das Hirn angegriffen wird, treten plötzliche Schmerzen im Unterleib und in den Beinen auf. Patienten klagen über Gefühlsverluste, oder es kommt zu psychiatrischen Auffälligkeiten wie Persönlichkeitsveränderungen.

Durch die Penicillin-Behandlung nahm die Zahl der Infektionen in der Nachkriegszeit rapide ab. Seitdem ist die Syphilis jedoch in Wellen immer wieder aufgetaucht, was meist auf grundlegende Verhaltensänderungen zurückgeführt wird. Der Anstieg in den sechziger Jahren wird mit der sexuellen Revolution begründet, der Rückgang in den achtziger Jahren mit dem Aids-Schock.

Ganz anders erklärt Nicholas Grassly vom Imperial College London das Auf und Ab der Syphilis-Inzidenz: mit vorübergehender Immunität. Angesteckte sind für einige Zeit gegen eine erneute Infektion geschützt. Deshalb nimmt die Zahl der Syphilis-Fälle zeitweise ab. Weniger Menschen sind für die Krankheit empfänglich, können diese also auch nicht weitergeben.

Allerdings lässt der Schutz nach, sodass die Ansteckungen wieder zunehmen. Ungefähr alle zehn Jahre erreichen sie einen Höhepunkt. Wären die Infektionswellen verhaltensbedingt, müssten sie bei der ebenfalls durch Sex übertragenen Gonorrhö genauso auftauchen, argumentiert der Forscher. Er untersuchte die Inzidenz der beiden Krankheiten in einigen amerikanischen Städten von 1960 bis 1993. Ein zyklisches Auf und Ab stellte er nur bei der Syphilis fest.

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