Geschlechtskrankheiten : Risiko Sex

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Der vorübergehende Infektionsschutz könnte auch die Meldewellen erklären, die das RKI registriert, sagt Marcus. Dennoch ist er skeptisch: »Das ist noch umstritten.« Womöglich wirken auch menschliches Verhalten und natürliche Infektionsdynamik gemeinsam. Und wenn dann Risikofreude und niedrige Immunitätsraten zusammenkommen, steigen die Zahlen sprunghaft.

Grassly entdeckte aber noch etwas: Die Syphilis-Wellen treten in den Großstädten zunehmend synchron auf. Ein Hinweis darauf, dass das sexuelle Netzwerk seit den sechziger Jahren engmaschiger geworden ist. Überträger haben häufiger Sexpartner in anderen Städten und reisen in kürzerer Zeit von Ort zu Ort, im Gepäck Treponema pallidum. Darin sehen andere Infektionsforscher einen Hauptgrund für die Zunahme der Syphilis. So stellten Wissenschaftler von der University of North Carolina fest, dass Verkehrswege die Verbreitung des Erregers befördern. Die Neuerkrankungen nahmen in ihrem Bundesstaat entlang des Interstate Highway 95 von New York nach Florida seit 1989 stark zu, während sie in anderen Gegenden konstant blieben.

Nicht nur Hauptverkehrsstraßen und Flugverbindungen helfen dem Sexkeim, sondern auch Datenautobahnen. In San Francisco brach die Syphilis 1999 unter Männern aus, die ihre Sexpartner im Internet kennen gelernt hatten. Daraufhin stieg die Zahl der Infektionen rapide. Das World Wide Web ist mittlerweile das Verteilernetz für Treponema pallidum schlechthin: 2003 hatte bereits jeder Zweite in der kalifornischen Metropole seinen Ansteckungspartner im Internet gefunden.

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