Altern ist kläglich. Das findet nicht nur der Büchner-Preisträger Wilhelm Genazino. Sein erstes Theaterstück Lieber Gott mach mich blind, das jetzt im Staatstheater Darmstadt uraufgeführt wurde, trägt diese Überzeugung wie einen zu dicken Bauch vor sich her. Fünf Personen suchen nach ihrer verschwundenen Schönheit, hadern mit ihren eckigen Köpfen, teigigen Gesichtern und fleischigen Nasen. All das, was wir an Genazinos Texten mögen, lugt aber bloß hier und da hervor: erschöpfte Melancholie, wahnsinnige Lakonie und heitere Ironie. Das schüttere Stück heimste beim Heidelberger Stückemarkt im vergangenen Jahr trotzdem den Autorenpreis ein. Der Regisseur Henri Hohenemser hat den Figuren dabei ähnlich wenig entgegenzusetzen wie der Autor selbst. Dass Genazino seine Figuren nicht sonderlich leiden mag, wäre noch zu verschmerzen. Doch er macht nicht einmal den Versuch, sie zu verstehen, sondern liefert sie gleich der Lächerlichkeit aus. Für eine Groteske reicht das nicht. Die Figuren machen es sich in einer weißen Sofalandschaft ungemütlich. Das arg in die Jahre gekommene Paar Martha und Robert stochert lustlos im Bodensatz seiner abgestandenen Ehe, während die geile Iris es noch einmal wissen will. Achtzig Minuten lang setzt die Inszenierung zwar manch hübsche Pointe, hangelt sich ansonsten aber durch einen seltsam spannungsbogenfreien Text. Das Stück bekommt seinen Hintern einfach nicht hoch - ein klarer Fall von Altersschwäche.