Kritik in Kürze Nehmen und Geben

War Deutschland ein imperialistisches Land? Für die Mehrheit der Deutschen ist diese Frage wahrscheinlich irrelevant, da, wie der Jenaer Historiker Dirk van Laak feststellt, » die zahlreichen Versuche der ›gescheiterten Großmacht‹, zu expandieren und weltweiten Einfluss zu gewinnen, zu den aktiv verdrängten Kapiteln der deutschen Geschichte« gehören. Lediglich die beiden Weltkriege, in denen das Deutsche Reich als brutaler Annexionist auftrat, bilden diesbezüglich eine Ausnahme. Van Laak legt jedoch überzeugend dar, dass Kolonialpolitik und Expansionsstreben seit dem 19. Jahrhundert für einschneidende Etappen der Globalisierung stehen, mithin relevant sind für das Verständnis der Gegenwart. Der Autor bietet am deutschen Beispiel einen gut lesbaren und dennoch anspruchsvollen Einblick in Vorgeschichte, Hintergründe und Verlauf des modernen Imperialismus. In seine Darstellung schließt er die Zeit nach dem »Verlust« der deutschen Kolonien im Ersten Weltkrieg ausdrücklich mit ein. Besonders aufschlussreich sind die Abschnitte über die Dekaden zwischen 1945 und heute. Van Laak sieht diese Periode durch den Übergang vom »nehmenden« zum »gebenden« Imperialismus charakterisiert. Seine Schlussfolgerung ist durchaus provokant: Deutschland habe sich vom imperialistischen Anspruch weitgehend verabschiedet, der Trend zu subtileren, weniger evidenten Formen der imperialistischen Einflussnahme halte hingegen weiter an. Andreas Eckert von Eckert

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