Trotz aller technischen Finessen gegen unerwünschte Mails, trotz der Bekundungen internationaler Regierungen, sich des Problems anzunehmen, zeigen die Wachstumskurven des Werbemülls nach oben. Die gerade neu eingerichtete Spam-Beschwerdestelle beim Bundesverband der Verbraucherzentralen wird regelrecht gestürmt. Gleich zu Beginn der Aktion legte die Beschwerdeflut den Rechner sogar lahm. "70000 Reaktionen hatten wir innerhalb der ersten sechs Tage", sagt Carola Elbrecht. "Nach dem ersten Ansturm hat sich die Zahl auf sieben- bis achttausend pro Tag eingependelt. In der Spitzenzeit kamen 17000 E-Mails an. Ich dachte, es reißt mich vom Hocker." BILD

Als Leiterin des neuen Spam-Projektes der Verbraucherzentrale soll Elbrecht ihrer Klientel den Kampf gegen Spam-Sünder abnehmen und für mehr Aufklärung sorgen. Gemeinsam mit der Wettbewerbszentrale und dem Verband der Internet-Wirtschaft (eco) haben sich die Verbraucherschützer zu einem Anti-Spam-Bündnis zusammengeschlossen, das Spammer nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit verfolgen soll.

Verbraucherschützer und Wettbewerbshüter können dabei von ihrem Verbandsklagerecht Gebrauch machen. Eco unterstützt beide durch die Weiterleitung von Beschwerden, die über die eigene, seit Jahren eingerichtete Hotline kommen. Außerdem spürt der Verband auch Absender auf. Alle drei Partner lassen sich von den geplagten Nutzern eidesstattliche Versicherungen zusenden, wenn sie einen Spam-Sünder ins Visier nehmen. "Wir haben jetzt eine Hand voll ganz große Fische an der Angel", sagt Frank Ackermann, der das Spam-Bündnis bei Eco mitbetreut. Eco hat seit dem Start im Frühjahr bereits eine Reihe von strafbewehrten Unterlassungserklärungen von Spammern in Deutschland erwirkt. "Manche melden sich zwar nicht, aber wir bekommen doch keine weiteren Beschwerden mehr über sie", sagt Ackermann.

Auf technischen Schutz durch Filter sei man zwar nach wie vor angewiesen, trotzdem ist Ackermann zufrieden mit dem Start der Initiative, die zum ersten Mal im größeren Stil das Recht anstelle der Technik gegen Spam einsetzt. Ganz so lukrativ wie in den USA wird der juristische Anti-Spam-Kampf hierzulande allerdings nicht werden. 838 Millionen US-Dollar hat allein das Team der Spam-Jäger des Software-Riesen Microsoft in über hundert Klagen abgesahnt. Im Fall des bekannten Spammers Scott Richter kassierte Microsoft 7 Millionen Dollar nach einem Vergleich.

Abzüglich der Kosten für das Verfahren von einer Million bleibt dem Unternehmen der satte Reingewinn von sechs Millionen Dollar. "Wenn wir zu einem solchen Vergleich kommen, investieren wir das Geld typischerweise wieder in Partnerschaften mit den Strafverfolgern und in gemeinnützige Programme", sagt David Finn von Microsoft. Investiert wird unter anderem auch in Spotspam, ein von der EU gefördertes Sündenregister, in dem künftig Beschwerden von Spam-Jägern in ganz Europa ausgetauscht werden sollen.

Spotspam-Partner Eco sieht darin die Ausweitung der deutschen Anti-Spam-Bündnis-Idee auf ganz Europa. Der Alte Kontinent hinkt nämlich bei der juristischen Verfolgung hinter den Kollegen in den USA hinterher. Dort wird die Aufsichtsbehörde Federal Trade Commission (FTC) sogar von Amts wegen aktiv. Spam-Jäger Steve Wernikoff berichtete von Millionenbeträgen, die man einzelnen Spammern abgeknöpft habe.

Stärkere öknomische Hebel wünschen sich daher auch Elbrecht und Ackermann. "Wir werden in den jetzt angestoßenen Verfahren die im neuen Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb geschaffenen Möglichkeiten der Gewinnabschöpfung erkunden", so Elbrecht. "Aber solche Summen wie in den USA werden wir hier kaum erreichen."