Der Limes-EffektSeite 5/5

Trotzdem. Um all die artigen, hübsch paritätischen Ost-West-Podiumsdiskussionen und sensiblen Ost-Erkundungen war etwas Bemühtes. Als müsse man das Thema erst aus seiner Harmlosigkeit aufwecken, auftakeln, schminken, um es einigermaßen interessant zu finden. Diese Aura des Stubentigerhaften wurde der kleine, gehätschelte Herr Ossi-Wessi nie los. Vielleicht lag es daran, dass – während er im Fernsehen über Ost-West-Befindlichkeit parlierte – still und stet jene märchenhaften Transfersummen flossen. Jeder wusste das. Keinem ging es wirklich schlecht. Nicht selten kam es zu absurder Verschwendung der westlicherseits aufgenötigten Mittel. Völlig überdimensionale Kanalisationsbauten, golfstaatenartige Beleuchtungsexzesse auf dem märkischen Dorfe. So etwas ist nicht geeignet, die nötige Rage in Talkshows zu bringen.

Die Mauer, die Teilung? Nicht mehr als eine Episode, ein Spuk

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Vielleicht lag es aber auch am Thema selbst, dass es nicht recht zündete. Ja gut, Deutschland war geteilt. Ja gut, nun ist es wieder heil. Ja, es gab Tote, nicht wenige. Biografien wurden zerstört, noch viele mehr. Alles wahr. Und doch war die Mauer und war die ganze Trostlosigkeit, die sie beschirmte, und war die ganze westdeutsche Verlegenheit dem gegenüber – war das alles nur eine zeitweilige Künstlichkeit, bitter, auch böse, aber letztlich unbedeutend. Letztlich ein Spuk. Eine Episode in einer langen Geschichte. Man darf darüber lachen.

Was bleibt denn nun – außer dass die Wunden langsam verheilen, ein Hungertrieb der Geschichte austrocknet und abstirbt, sich alles auswächst? Ein Ost-West-Paradigma jedenfalls bleibt nicht. Kein griffiges Ding, um uns selbst und anderen Deutschland zu erklären.

Vergessen wir die liebe Marotte, Deutschland als ein Gebilde zu betrachten, das aus Ost und West besteht und dessen größtes Problem darin liegt, diese beiden Teile ins Lot zu bringen. Um Norden und Süden geht es. Die müssen nicht ins Lot gebracht werden. Die lachen über das Lot. Es ist ja gerade ihr Unterschied, den wir lieben. Und nicht nur wir.

 
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