München

Die beiden Mädchen strahlen. Die Größere hat ihre Arme zärtlich von hinten um die Schultern der Kleineren gelegt. Sie sehen glücklich aus, diese Mädchen.

Zufrieden und verliebt. Bald werden sie in den Treppenaufgängen und Umkleidekabinen aller Münchner Schulen strahlen. So wollen es jedenfalls eine Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen und das Schulreferat der Stadt München. Mit dem neuen Schuljahr haben sie eine Aufklärungskampagne gestartet, um die Situation von jungen Schwulen, Lesben und Transsexuellen in den Münchner Klassenzimmern zu verbessern. Wer hätte das gedacht, ausgerechnet im CSU-regierten Bayern findet sich die Vorhut einer Bewegung gegen die Diskriminierung Homosexueller. Ihr neues Motto lautet: Wir sind für dich da.

Der Beistand von oben ist dringend nötig. > Du schwule Sau< ist leider immer noch eine gängige Beschimpfung, sagt Heike Franz von der Koordinierungsstelle. Alles, was abgelehnt wird, ist erst einmal schwul.

Die Aufklärungskampagne in den Klassenzimmern solle vor allem das Selbstbewusstsein der Betroffenen stärken, sagt Peter Ruch, der im Pädagogischen Institut des Münchner Schulreferats das neue Lernpaket zum Thema Homosexualität entwickelt hat.

Nicht immer hatten es Schwule und Lesben an Bayerns Schulen so leicht. Noch vor fünf Jahren verbat sich das staatliche Schulamt Unterrichtsbesuche des Jugendnetzwerks Gleich & Gleich an seinen Hauptschulen. Doch inzwischen ist das Land weiter. Nun, da die Zahl neuer HIV-Infektionen wieder steigt, war das Kultusministerium von sich aus bereits dazu übergegangen, zum Zwecke der Aids-Aufklärung Schulbesuche von Homosexuellen zu empfehlen. Da passt die Schwuleninitiative aus München gut ins Konzept. Wir hatten mit dieser Aktion kein Problem, sagt Wolfgang Ellegast, der als Referatsleiter im Kultusministerium unter anderem für die Gesundheitsförderung zuständig ist.

Außerdem wisse man seit Pisa ohnehin, wie wichtig es sei, das wirkliche Leben in den Unterricht reinzuholen.