Kerstin Kohlenberg, ZEIT-Redakteurin Dossier, im Peugeot 307 CC HDi Sport Prinzip Öffnung

Der 307 CC ist zwei Autos: Unförmiges Coupé und schönes Cabrio

In der Regel mag ich Dinge, die über längere Zeit ihre Form behalten. Hosen zum Beispiel, ganz besonders an den Knien. Auch bei Menschen bin ich eigentlich ganz froh, wenn ich mich nicht ständig neu auf sie einstellen muss, weil sie zum Beispiel immer neue Seiten an sich entdecken, die sie dann ausleben wollen. Ich finde, das Thema Verwandlung wird maßlos überschätzt.

Dementsprechend irritiert war ich, als ich das Auto abholte.

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Blau und rund stand er da, der Peugeot 307 CC, wie ein aus der Packung gerolltes M&M. Na ja, dachte ich. Ich hatte mir zwar ein Cabrio gewünscht, aber die Welt ist nun mal gemein und ungerecht. Ich trat näher heran. Die Entriegelungs-Fernsteuerung erweckte das M&M zum Leben, zur Begrüßung wackelte es mit den – ja was? Außenspiegelöhrchen? Das legte den Vergleich mit einem Nilpferd nahe. MM, Nilpferd; ich war auf das Schlimmste gefasst.

Ich beschränkte meinen Gruß auf einen simplen Handgriff, zog einen Hebel rechts neben dem Fahrersitz, und prompt lüftete der Peugeot sein blechernes Dach, faltete es automatisch zusammen und versteckte es im Kofferraum. Aus dem etwas unförmigen Coupé (erstes C) wurde ein schönes Cabrio (zweites C). Ein Verwandlungskünstler. Na großartig.

Für die schlecht gelaunten Gewittertage hat der Peugeot eine geschlossene, harte Schale, für die sonnigen, entspannten einen offenen, weichen Kern. Da der Wagen geschlossen wie ein normaler Viersitzer aussieht, war die Verwunderung der Passanten jedes Mal groß, wenn das Auto sein Dach einklappte und seinen wahren Kern entblößte. Und ich muss sagen, ich begann diese erstaunten Blicke zu genießen. Diese Verwandlung gefiel mir.

War der Klappmechanismus für mich bloß Spielerei, schien er anderen ein Zeichen dafür zu sein, dass die viel zitierte Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland tatsächlich aufgeht. Es geschah an der Jet-Tankstelle im rest-alternativen Schanzenviertel in Hamburg: Alle Diesel-Tanksäulen waren besetzt. Ich fuhr den Peugeot (Verdeck unten) hinter einen alten VW-Bus, dessen Fahrer gerade mit dem Kassenbeleg zurückkam. Der Mann stieg ein. Der Bus blieb stehen. Rechts fuhr das erste Auto von einer Zapfsäule weg. Der Bus blieb stehen. Ein weiteres Auto fuhr rechts weg. Der Bus blieb stehen. Umständlich musste ich den Peugeot zurücksetzen, um an die frei gewordene Zapfsäule zu fahren. In dem Moment wurde im VW-Bus der Motor angelassen, der Fahrer fuhr grinsend an mir vorbei, über dem Auspuff ein Aufkleber: »Macht kaputt, was euch kaputt macht«. Ich fühlte mich wie Tom Wolfe in seinem weißen Anzug. Sollten die doch schimpfen. Dass der Peugeot seine Abgase durch ein Filtersystem säubert, das alle Rußpartikel aus dem Dieselabgas verbrennt – ich würde einen Teufel tun, mich mit dieser Information bei irgendeinem Zapfsäulen-Besetzer anzubiedern.

Mit genügend Diesel und Trotz betankt, führte ich den Peugeot von Hamburg zu meiner Mutter nach Lahnstein. Mittlerweile kam ich ganz gut mit den sechs Gängen zurecht und musste nicht mehr überprüfen, ob ich bei 150 km/h vielleicht doch noch im vierten Gang war. Erstaunt nahm ich auf der Fahrt zur Kenntnis, dass die kleinere Variante des 306, der Peugeot 206 CC, fast so häufig auf den Autobahnen unterwegs ist wie überdimensionale Sonnenbrillen in deutschen Fußgängerzonen. Bei meiner Mutter angekommen, klärte mich das Internet auf, dass der Peugeot 206 CC im August das meistverkaufte Cabrio in Deutschland war. Interessant. Denn am 5. Oktober hat die EU-Kommission entschieden, dass Peugeot 49,5 Millionen Euro zahlen muss, weil das Unternehmen den Wettbewerb behindert hat. Es hat in den Niederlanden den Verkauf seiner dort billigeren Autos an deutsche und französische Kunden erschwert. Wie viele Peugeots ich sonst wohl auf der Autobahn gesehen hätte?

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