schule Ein deutscher Klassenkampf
Eltern und Lehrer haben sich verfeindet – zum Nachteil der Kinder
Eltern, die ihre Kinder an der Berliner Nikolaus-August-Otto-Schule anmelden möchten, müssen erst einmal selbst die Schulbank drücken. Hauptfach Erziehen. In zehn Doppelstunden lernen Mütter und Väter die Kunst, Kinder zu loben, und die Fähigkeit, ihnen Grenzen zu setzen. Hausaufgaben sind ebenso Pflicht wie regelmäßige Anwesenheit. Wer mehr als zweimal fehlt, muss mit Strafe rechnen: Kinder von Unfolgsamen werden von der Anmeldeliste gestrichen. Schwatzt jemand im Unterricht, ruft die stellvertretende Schulleiterin Eva Schmoll den Störer mit den Worten zur Ordnung: »Ihr Kind würde ich jetzt ermahnen.«
Die Gründung der Elternschule ist ein Akt der Selbstverteidigung. Vor Jahren schon hatten die Lehrer des Nikolaus-August-Otto-Kollegiums den traditionellen 45-Minuten-Rhythmus aufgegeben und den Unterricht statt nach Fächern nach Themen strukturiert. Doch die für das neue Lernen notwendige Disziplin der Schüler schwand von Jahr zu Jahr. Sie hörten nicht zu, kümmerten sich nicht um die ihnen übertragenen Aufgaben, einige Jungen wurden schnell handgreiflich.
Beklagten sich die Lehrer bei den Eltern, gingen diese in Verteidigungsstellung oder beichteten ihre Überforderung. Deshalb bot die Schule den Eltern einen Deal an: Wir geben euch kostenlose Unterstützung bei der Kindererziehung; ihr verpflichtet euch zu kommen.
Die Therapie der Berliner Hauptschullehrer mag ungewöhnlich sein, die Diagnose ist es nicht: Das Verhältnis zwischen Schule und Elternhaus ist gestört. Beide Seiten verbindet eine Stressbeziehung. Lehrer wie Eltern wissen, dass sie im Interesse der Schüler aufeinander angewiesen sind, und dennoch umkreisen sie sich mit wachsendem Argwohn. Lehrer klagen über Erziehungsberechtigte, die nicht mehr erziehen. Sie jammern über Familienegoisten, die nur ein Kind sehen, das eigene. Eltern wiederum schimpfen auf faule Unterrichtsbeamte, die schlecht unterrichten und froh sind, wenn sie die Schule gegen Mittag verlassen.
»Man hat das Gefühl, Eltern und Lehrer lebten in unterschiedlichen Welten«, sagt Werner Sacher. Der Erziehungswissenschaftler von der Universität Erlangen hat Lehrer und Eltern an bayerischen Schulen befragt, wie sie die Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus einschätzen: In nicht einmal einem Viertel der Fälle deckte sich das Urteil. Tendenziell malten die Lehrer stets ein rosigeres Bild von der Atmosphäre, Eltern wählten eher gedecktere Farben. »Es bedarf dringend einer besseren Kommunikation«, lautet Sachers Fazit.
Wie sehr es daran hapert, weiß Renate Hendricks aus eigener leidvoller Erfahrung. 15 Jahre lang hat sie die Interessen von Eltern gegenüber der Institution Schule vertreten, zuletzt als Bundeselternratsvorsitzende. Die Bilanz der Mutter von fünf Kindern klingt bitter: »Der wirkliche Einfluss der Eltern in der Schule tendiert gegen null.« Zwar regeln Gesetze in vielen Paragrafen, welche formalen Informationsansprüche Eltern haben und wie Elternvertreter zu wählen sind. »Das meiste sind jedoch Alibiveranstaltungen«, sagt Hendricks. Die Macht sei eindeutig verteilt: »Unsere Kinder sind der Schule ausgeliefert.«
Sabine Schnorr kann davon ein Lied singen. »Wenn man etwas in der Schule kritisiert, bekommt es am Ende immer das eigene Kind zu spüren«, sagt die Mutter, die nicht will, dass ihr richtiger Name in der Zeitung steht. Als sie auf einem Elternabend in der Grundschule anregte, den besseren Schülern anspruchsvollere Aufgaben zu stellen, hörte ihre Tochter am nächsten Tag von der Lehrerin den Satz: »Deiner Mutter ist mein Unterricht nicht gut genug.« Und als sie sich im Gymnasium über einen Mathematiklehrer beschwerte, der nicht erklären konnte und Zensuren häufig nach Sympathie verteilte, bestätigte ihr zwar selbst der Schulleiter die mangelhaften Qualitäten seines Kollegen. Doch die einzige Konsequenz war, dass ihre Tochter denselben Lehrer ein halbes Jahr auch noch in Physik bekam.
- Datum 20.10.2005 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 20.10.2005 Nr.43
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Ich denke, der Artikel hat das größte Problem der öffentlichen Schulen angesprochen: Schulen bieten nur wenig Identifikationsmöglichkeiten. Sie bilden keinen positiven Lebensbereich, die mit Engagement von allen Beteiligten gestaltet werden kann.
Denn weder die Eltern und Kinder noch meines Erachtens die Schulleitung (durch die kaum zu kündigenden Lehrer und den engen Lehrplan) hat im Endeffekt Einfluss auf die inhaltlichen Gestaltung. Eltern haben keine Möglichkeiten auf Inhalte oder Pädagogik Einfluss zu nehmen, Lehrer können aufgrund der geringen Zeit eben nur Stoff durchnehmen, fächerübergreifende, Kinder- und Lehrerteam-Arbeiten (Stichwort Weg vom Frontal-Unterricht - denn daran ändern auch alternative Sitzordnungen nichts) oder sogar in den Grundschulen eine Zusammenarbeit mit der Nachmittagsbetreuung (in Berlin immerhin seit diesem Sommer an die Schule angeschlossen), die vom Einzelkämpfertum an deutschen Schulen (das sowohl unter Lehrern als auch den Schülern herrscht) sind selten und immer abhängig von zusätzlichem Engagement des Lehrpersonals.
Zudem fördert die Verweigerung der Schulen, sich durch die Hauptbetroffenen, die Kinder, den Unterricht beurteilen zu lassen und bei z.B. jahrelangen schlechten Beurteilungen daraus Konsequenzen zu ziehen, eine althergebrachtes und meines Erachtens schlechtes Obrigkeitsverständnis: an denen da Oben kann man eh nichts ändern, man wird nicht ernst genommen, also brauchen wir das auch nicht ernst zu nehmen. Spaß haben wir lieber woanders.
Als Mitglied im Vorstand des elternbund hessen e.V. (www.elternbund-hessen.de) habe ich vor allem einen Wunsch und ein Ziel: Dass Eltern von den Einrichtungen, denen sie ihre Kinder anvertrauen und die ja meistens von öffentlicher Finanzierung, also Steuern, leben, von vornherein als natürliche Partner ernst genommen werden, dass Eltern und die ganze Familie selbstverständlich und immer zum Gesamtgefüge "Kinder-Erziehung-Bildung" dazugehören.
In einem vom ebh gerade versendeten Offenen Brief an die Hessische Kultusministerin und an das Präsidium der Vereinigung hessischer Unternehmerverbände, die vor zwei Wochen gemeinsam eine Presseerklärung veröffentlicht haben,
steht dazu folgendes geschrieben: "Wir wissen, dass sich noch immer zu viele Betreuungs- und Bildungsanstalten schwer tun, Eltern ganz selbstverständlich als natürlichen Bestandteil des Gesamtgefüges Kinder - Eltern Betreuungs- und Bildungseinrichtungen zu verstehen und einen entsprechenden Umgang mit ihnen zu pflegen. Das ist einerseits ein strukturelles Problem der Institutionen, andererseits aber auch ein persönliches, selbstbildbezogenes Problem vieler einzelner Erzieherinnen und Erzieher, Schulleiterinnen und Schulleiter, Lehrerinnen und Lehrer. Insofern begrüßen wir es, wenn Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen zu mehr Transparenz, Kooperation und anhand objektivierbarer Daten (denn die Abstimmung mit den Füßen gibt es ja bereits) zu Verbesserungen zu Gunsten ihrer Schülerinnen und Schüler angereizt werden."
Der komplette Wortlaut des Offenen Briefes ist in den nächsten Tagen abrufbar auf den Internetseiten des ebh (www.elternbund-hessen.de) oder kann per mail angefordert werden bei christine.becker@freenet.de.
Mal wieder ist der Bildungsnotstand Aufmacher in der ZEIT, und das ist gut so. Was erzählen uns die meisten Medien denn immer, die Bildung sei ein "weiches" Politikthema, und daß die CDU das Bildungsressort in der Koalition hätte, sei politisch nicht viel wert? - So ein Quatsch! Die sture Fortsetzung des deutschen selektiven Schulsystems - wider alles empirische nationale und internationale Wissen - ist ja wohl das Härteste überhaupt!
Und was erfahren wir heute von Martin Spiewack und Jörg Lau? Eltern und Lehrer bekämpfen sich aufs Schärfste. Lau fordert "Gnade für die Pauker" und Vertrauen der Eltern. Na klar, das ist ja richtig. Richtig ist auch - damit sind wir in Spiewacks Artikel -, daß die Lehrer auf vieles, was die Schülerrealität bietet, nicht angemessen antworten können, z.B. stellt er fest: "Noch immer geht die Schule von Schülern aus, die zu Hause sowohl lernen, Deutsch zu sprechen als auch stillzusitzen. Das jedoch ist häufig nicht mehr der Fall. Auf diese soziale Veränderung sind Lehrer häufig nicht eingestellt."
Mein lieber Herr Spiewack: Mit diesem Satz können sie den "neuen deutschen Klassenkampf" , wie Sie das nennen, wunderbar anheizen! Denn es klingt danach, als wäre es bloß eine Frage der persönlichen Einstellung, der individuellen Kompetenz des einzelnen Lehrers, dieses Problem - und es ist ja eines der größten - in Ordnung zu bringen. Und genau das ist die Vorstellung, die Eltern dazu bringt, von "ihrem" Lehrer ganz persönlich die Lösung aller Widersprüche des anachronistischen Bildungssystems zu erwarten, ja aggressiv zu fordern. "Der Lehrer wird zum Angeklagten" - richtig und bedauerlich, Herr Lau. Aber er braucht keine Gnade, und schon gar nicht, wenn er ein "Pauker" ist. Die Lehrer brauchen Hilfe, und zwar von den Eltern. Ich meine hier nicht die Hausaufgabenhilfe (sehr gut übrigens das Interview dazu mit Ulrich Trautwein: "Die beste Hilfe ist gar keine Hilfe" in derselben Ausgabe!). Ich meine, daß es hier nötig gewesen wäre, dazu aufzurufen, daß Eltern, Lehrer und Schüler zusammenarbeiten müssen, um ihre Schule zu erneuern. Es kann doch nicht wahr sein, daß man sich hier seitenweise am Eltern-gegen-Lehrer-Kampf delektiert und so tut, als habe das alles gar nichts mit Politik zu tun! Die meisten Lehrer wären gerne gute Lehrer - was denn sonst? - wenn sie es denn dürften! Viele Lehrer, die tatsächlich für die Kinder gut sind, sind es nämlich nicht im Sinne der Strukturen und Vorschriften, denn die müssen sie dafür ständig unterlaufen, umgehen, beugen. Es ist natürlich nicht jedermanns Sache, die damit einhergenden Konflikte auszuhalten. Schon gar nicht die mit dem Arbeitgeber. Verständlich. Und so haben die Lehrer keine Chance: Sie können allenfalls entscheiden, mit wem sie den Konflikt haben wollen: Mit den Schülern, mit den Kollegen und Vorgesetzten oder mit sich selbst. Und das bleibt solange so, bis Eltern, Lehrer und Schüler die Abschaffung des selektiven Schulwesens gemeinsam erzwungen haben und zusammen ihre Schule umgestaltet haben zu einer zeitgemäßen Schule. Also, Kollegen von der ZEIT: Das war wohl nix. Nochmal machen, oder andere ran lassen!
http://lisarosa.twoday.net
Alles ist richtig, wenn es um Bildung und Erziehung geht! Denn ein Geheimrezept und gleiche Maßeinheiten gibt es nicht, wie es auch keine gleichen Menschen oder gleiche Situationen gibt! ... über Ähnlichkeiten und Verallgemeinerungen lässt sich nämlich streiten, nur nicht über 1+1=2!
Stärken wir die Rolle der Lehrer und Erzieher, der Eltern und Verwandten!
Fordern wir aber auch von diesen: Die strikte Wahrung der Vorbildrolle!
Wir, die Gesellschaft, müssen dann aber auch eine saubere Politik und keine hinterhältige und verachtungswürdige Bürgerverschaukelung präsentieren!
Mehr brauchen wir, die Gesellschaft, nicht zu tun! Alles andere muss jeder einzelne selbst tun: Pünktlich sein, ehrlich auftreten, nach höherem streben und nicht vor der Glotze versauern ... nehmen wir die 10 Gebote und beginnen wir endlich wie Menschen und nicht wie Chaoten zu leben!
Nicht Lehrer und Eltern sind verfeindet, die ganze Nation hat Lehrer und Eltern gegeneinander aufgehetzt, um der eigenen Mitverantwortung zu entgehen!
Aber die Abrechnung kommt: Im hohen Alter von einigen von uns also in ca. 50 Jahren, wird sich die Jugend an den Alten rächen, ohne etwas zu tun! Es wird nur noch eine kleine zahlungs- und handlungsunfähige Jugend für die Alten da sein.
Der in seinen Inhalten für mich nicht überraschende / neue Artikel ist für mich lediglich ein Ausdruck eines Konfliktes, der sich in Deutschland Stück für Stück ausbreitet: jeder gegen jeden, das einzelne Individuum gegen Staat oder Gesellschaft.
Ich selbst verfolgte eine Lehrerausbildung, aber heute bin ich froh, daß es mich beim 1. Staatsexamen gewickelt hat. Meine Erfahrung: in den meisten Lehrerzimmern sitzt der Spaltpilz, und das ist der Hauptursache, warum sich einzelne Lehrer nicht gegen überzogene Forderungen der Eltern wehren können, ohne den Boden der Korrektheit zu verlassen. D.h. die Kinder bekommen es zu spüren, so wie sich Geschiedene über das Kind gegenseitig bestrafen oder Macht aufeinander ausüben wollen. Das ist insofern verständlich, da Eltern ihre Kinder mehr oder weniger bewußt zum Boykott der Schule und zum Unterlaufen der Lehrerauthorität auffordern. Grund hierfür wiederum ist, daß schon an den Hochschulen einzelkämpferische Wissensvermittler oder -darsteller herangebildet werden, aber keine teamfähige Pädogogen, die Konzepte anwenden, die über das eigene Klassenzimmer heinausgehen (es gibt sie schon längst).
Zum anderen - so sagte es mal ein Handwerksmeister: "In Deutschland werden nur diejenigen Lehrer, die NICHT Lehrer werden wollen." Die Vollkaskomentalität der Eltern geht einher mit derselben vieler, die in den Staatsdienst gehen. Die Deutschen verlangen, daß sich der Staat um alles kümmert: um sämtliche Lebensphasen und - situationen, um Alte, um Geschiedene, um Verfolgte, um Kinder, und ganz wichtig: um das EIGENE Kind in besonderem Maße. Der Staat soll alles machen, aber andererseits nichts kosten und möglichst viel Mitsprache gewähren und ja nicht bevormunden! Bücher sollen nichts kosten, auch wenn für Kinder das meiste Geld ausgegeben wird - für zumeist fragwürdige, völlig verteuerte Statussymbole wie Markenklamotten. Gleichzeitig beschwert man sich, daß der Staat seinen Bürgern generell mißtraut und seine Bediensteten dieselben bevormundet.
Die staatliche Schule ist hauptsächlich für die Sozalisation (allgemeine Befähigung für Kinder, sich in der Gesellschaft zurechtzufinden) zuständig, für die Individuation (Vorlieben, Werte, eigene Entwicklung) vorwiegend das Elternhaus. Eltern können oder wollen zweites oft nicht und bürden das auch noch der Schule auf. Die Schule ist aber dafür nicht zuständig und kann kein ganzheitliches Förderprogramm für jeden Einzelenen zur bestmöglichen Zukunftsvorbereitung anbieten. (Im übrigen beklagen auch Hochschullehrer immer mehr diese Konsumhaltung bei Studierenden.) In dem Fall wäre ein Hauslehrer gefragt, aber der kostet ja wieder was. Und damit sind wir beim Ausgangsproblem: das mißratene Verhältnis zwischen Bürger und Staat.
Die Deustchen sollten sich mal überlegen, was sie wollen: einen zurückgezogenen liberalen Staat, der jedem viel Freiheit läßt, wenig kostet, aber auch viel Eigen"verantwortung" abverlangt, oder aber ein übermächtiger Staat, der einem das alles abnimmt, so daß man sich um nichts kümmern muß, aber der auch entsprechend hohe Steuern verlangt. Die "Sahne" von beidem ohne die Nachteile zu bekommen, das funktioniert nicht. Bisher versucht man, die erste Form an die untere Schicht der Gesellschaft zu verkaufen, die anderen dürfen sich noch mit dem Staat der guten alten BRD beglücken. Aber das ist nur eine Übergangslösung.
Ich glaube, diese Grundfrage wird unsere politische Entwicklung in den nächsten Jahrzehnten bedeutend begleiten. Wenn ich mir die Jugend heute so anschaue, wünsche ich mir eine Ganztagsschule und einen eher stärkeren Staat, der rigoros gegen das amerikanisierte Privatfernsehen vorgeht, das nur schlechte Umgangsformen und eine kulturelle Verrohung vermitteln kann, was lebenslang berufliche Barrieren mit sich bringt. Unsere Gesellschaft zerbricht irgendwann. Meines Erachtens gehören in Deutschland nicht "Systeme" reformiert, sondern die allgemeine und politische Kultur und die Mentalität der Politiker/Bürger, sonst landen wir immer und immer wieder in der selben Arena.
mgf rw/nu
Kaum eine Idee liest man häufiger, als die, dass früher in den Schulen Inhalte vermittelt worden sind und die Erziehung dem Elternhaus überlassen blieb. Wann soll das gewesen sein??? So, wie Watzlawick über Kommunikation sagt: "Nicht Kommunikation gibt es nicht" würde ich diese Auffassung auch für die Erziehung vertreten. Lehrer sind Vorbilder(oder sollten es sein). Kinder lernen den ganzen Tag, wie soll nicht-Erziehung aussehen? Meine Erfahrung als Mutter eines 18-jährigen ist: Die Verletzungen, die Lehrer und Schule meinem Kind, insbesondere vor der Pubertät zugefügt haben (natürlich nicht körperlicher Art), haben mich viel Kraft gekostet. Eltern, die sich wirklich nicht um ihre Kinder bemühen sind verdammt selten, aber viele können die Besserwisserei der Lehrer und die Demütigungen gegen sozial schwache Eltern einfach nicht mehr ertragen und meiden die Schule.Auch hier gibt es sich selbst erfüllende Prophezeiungen.
Wie im wahren Leben ist vieles von Personen abhängig.
Die Bezugsperson des Schülers für das jeweilige Unterrichtsfach ist also >>der Lehrer
Diese Art der differenzierenden Auseinandersetzung tut gut und hat bisher gefehlt. Dennoch muß ich als Vater von fünf Kindern in ´Bayern sagen, daß ich parteiisch bin und das zu Recht. Lehrer sind ausgebildet, haben Lobby und (trotz aller Probleme) traumhafte Arbeitsbedingungen. Eltern sind gar nicht ausgebildet, finanziell und auf Grund fehlender arbeitsschutzrechtlicher Rahmenbedingungen jeder Form der Ausnutzung preisgegeben und auch objektiv z.B. steuerlich benachteiligt. Schließlich hat auch der Staat keine Gelder und Ressourcen für Familie frei und wie sollte da die Familie solches übrig haben.
Gleichzeitig scheint es das einzige Ziel zu sein von Eltern ständig mehr zu fordern. Kein Wunder, wenn dann gebildete Menschen sagen: Das kann ich nicht leisten und vernünftigerweise keine Kinder bekommen.
Es ist aber immer noch undifferenziert von Eltern und Lehrern als homogenen Gruppen zu sprechen. Denn bei beiden gibt es verschiedene Gruppen. So gibt es gebildete und ungebildete, engagerte und desinteressierte, altruistische und egooistische, beliebte und unbeliebte, kompetente und inkompetennte, gesunde und kranke usw auf beiden Seiten.
So werden auch die karrieregeilen Eltern gern zitiert, um sie mundtot zu machen. Gerade Bayern mit seinem angeblich erfolgreichsten, meiner Erfahrung nach aber familienfeindlichsten Schulmodell fordert aber Leistung und Engagement der Eltern. Wie paßt das zusammen ?
Soll ich als Vater den Lehrer erst fragen: Darf ich von meinem Kind etwas fordern oder überfordere ich es dann? Angesichts der bekannten mangelnden Kompetenzen in psychologischer und pädagogischer Richtung ist der Lehrer wohl der falsche Ansprechpartner diesbezüglich.
Es gäbe noch viel zu sagen, aber eins sagt vielleicht alles: Solange mein Kind als Druckmittel von Lehrern mißbraucht werden kann, um mich zum Schweigen zu bringen, was für mich ein schweres Verbrechen ist, kann alles, was sie schreiben, nur nutzlos sein.
Stefan Link
zef-link@email.de
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