Zeitungsmarkt Kapital im Anflug
Im Berliner Verlag geht die Angst vor Finanzinvestoren um. Andere müssen längst mit ihnen leben. Wer hat gelitten, wer hat profitiert?
Der Berliner Verlag ist seit zwei Wochen in Aufruhr. Als erstes deutsches Zeitungshaus könnte er in den Besitz von Finanzinvestoren übergehen. Schon in den nächsten Tagen.
Die meisten Journalisten und Verlagsangestellten des Hauses sorgen sich seither um ihre eigene Zukunft und die ihrer Blätter (Berliner Zeitung, Berliner Kurier und tip) und tragen T-Shirts mit dem Aufdruck » You are not welcome Mr. Montgomery«. Gemeint ist der irische Zeitungsmanager David Montgomery, der gemeinsam mit den britischen Investoren 3i und Veronis Suhler Stevenson über den Kauf des Verlags verhandelt.
»Heuschrecken« seien die Aufkäufer, vermuten die Berliner, diese würden dem Verlag in den nächsten Jahren, auf Kosten seiner Zukunft, eine hohe Rendite abverlangen. Ihn, vulgo, kahl fressen – und dann weiterziehen.
Martin Fabel von der Unternehmensberatung A. T. Kearney, der vor wenigen Monaten eine Studie über den deutschen Zeitungsmarkt verfasste, spricht hingegen nüchtern von einer »Gelegenheit«. Für ihn wäre der Verkauf nur der »Beginn einer ganzen Reihe von Geschäften zwischen Verlegern und Finanzinvestoren«.
Es wäre nicht das erste Mal, dass Finanzinvestoren deutsche Medienunternehmen erwerben. Doch wie sind die Erfahrungen? Das ist an Springer Science + Business Media, einem der größten Fachverlage der Welt, ebenso zu sehen wie an der Kabel Deutschland GmbH, die in dreizehn Bundesländern weite Teile des TV-Kabels betreibt. Fast jeder dritte Fernsehzuschauer hat so täglich indirekt mit einem Finanzinvestor zu tun.
Besonders lange bleiben die Käufer aus der so genannten Private-Equity-Branche allerdings nie. Das haben sie ihren Geldgebern zugesagt, von denen sie bisweilen mehr als eine Milliarde Euro einsammeln, bevor sie investieren. Das Geld kommt oft von amerikanischen Pensionsfonds oder von wohlhabenden Privatleuten, die auf satte Zinsen hoffen. Die verschiedenen Methoden, dieses Ziel zu erreichen, lassen sich in der Medienbranche gut beobachten.
»Es brauchte damals Mut, bei uns einzusteigen«
- Datum 20.10.2005 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 20.10.2005 Nr.43
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