Sojabohnen und Schweinebäuche? Jochen Hitzfeld, Analyst bei der HypoVereinsbank in München, gerät ins Schwärmen. Die Agrarrohstoffe zählten zu den "aussichtsreichsten Asset-Klassen", damit könnten Anleger viel Geld verdienen. Auch der Fondsmanager und Autor Werner Ullmann prophezeit dem Geschäft mit Mais, Weizen oder Kaffee einen "starken Aufwärtstrend" – in diesen Tagen kommt sein Buch mit dem Titel Profit mit Rohstoffen in den Handel. Der Konsumboom in den aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens werde die Preise für landwirtschaftliche Güter in den kommenden zehn Jahren massiv in die Höhe treiben, frohlockt Ullmann. BILD

In Rohstoffe – der attraktivste Markt der Welt sieht der Investor und Bestseller-Autor Jim Rogers die Nachfrage weiter wachsen: "Ich war in Brasilien und habe gesehen, dass die Menschen Zucker als Ersatz für teures Benzin verwenden." Bei steigendem Erdölpreis rät er deshalb zum Kauf von Zucker-Futures. Der Kleinanleger dürfte ihm das gerne glauben – immerhin gründete Rogers zusammen mit George Soros 1970 den legendären Hedge Fonds Quantum und verdiente damit Millionen.

Ihre Begeisterung für die Agrarrohstoffe begründen die Autoren und Analysten besonders gerne mit dem Appetit Chinas – und der ist zweifelsohne bemerkenswert. Gutes Essen ist in dem Land mit den gut 1,3 Milliarden Einwohnern und dem mehr als sieben Prozent starken jährlichen Wirtschaftswachstum zum Statussymbol geworden: Der Fleischkonsum nimmt ständig zu und damit auch der Verbrauch an Futtermitteln, denn um ein Kilo Fleisch verzehren zu können, müssen bis zu sieben Kilo Getreide an Tiere verfüttert werden. Chinas neue Mittelschicht in den Städten genießt die europäische Küche, die noch vor wenigen Jahren ein unerschwinglicher Luxus war: Rinderfilets, Champagnerpralinen und Latte Macchiato – so steigt auf den Weltmärkten die Nachfrage nach Getreide und Vieh, nach Zucker und Kaffee.

Nicht nur in China, auch in Indien und vielen anderen Entwicklungsländern halten westliche Ernährungsgewohnheiten Einzug. Der Konsum landwirtschaftlicher Güter boomt weltweit. Die Vereinten Nationen schätzen, dass die Dritte Welt ihre Nettoeinfuhren von Nahrungsmitteln bis 2030 verfünffachen wird – viele Exportnationen werden so zu Einfuhrländern werden.

Der hohe Erdölpreis heizt den Verbrauch von Agrarrohstoffen zusätzlich an. Brasilien macht bereits aus der Hälfte des heimischen Zuckerrohrs Bioethanol und exportiert den Brennstoff in die USA – schon heute ist er eine wichtige Einnahmequelle für die größte südamerikanische Volkswirtschaft. Das New York Board of Trade, die bedeutendste Warenterminbörse für landwirtschaftliche Güter, erwartet, dass sich die weltweite Ethanolproduktion bis zum Ende dieses Jahrzehnts verdoppeln wird. Auch für deutsche Bauern ist Energiegewinnung ein zunehmendes Geschäft: Die Anbau-flächen für nachwachsende Rohstoffe haben sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt.

Ob das alles reicht? Die globalen Ernte-erträge würden der explodierenden Nachfrage immer mehr hinterherhinken, prognostiziert Jochen Hitzfeld: "Schon seit 20 Jahren wächst die Agrarproduktion langsamer als die Weltbevölkerung." Die Mechanisierung der Landwirtschaft sei weitgehend abgeschlossen, die Gentechnologie werde die Erträge nur noch geringfügig steigern, Anbauflächen und Wasser würden immer mehr zur Mangelware – und der Klimawandel zum großen Risikofaktor.

Mit Soja und Schweinen das Inflationsrisiko verringern