Roman Höhere TochterSeite 3/3
Aber was soll man auch machen, in diesem Dorf Paris, wo sich Geld und Geist immer noch auf eine Art mischen, wie es sonst nicht mehr vorkommt; wo das 19. Jahrhundert mit all seinen nachrevolutionären Absonderlichkeiten immer noch nicht vorbei ist; wo die Leute so stolz sind und so snobistisch, dass man als Antwort darauf entweder kalt wird oder krank.
Früher hat sie deswegen Pillen geschluckt, immer mehr, um zu funktionieren, um sich einzufügen. Es war schon toll, sagt sie, und sie strahlt, alles kontrollieren können, die Gefühle, das Leben. Früher war ihr Vater recht distanziert, heute kommt er öfter, auch wegen Suzanne, seiner Enkelin. Heute wirkt Justine Lévy wie die Frau, die sie einmal sein wollte. Auch davon erzählt ihr Buch. Einige Dinge hat sie aber doch ausgelassen, zum Beispiel die sexuellen Erfahrungen, die sie mit den Drogen gemacht hat. Wegen der Eltern, sagt sie.
»Aber«, sie lacht und gerät kurz aus der Bahn, »nein, nein, mein Vater hat das Buch gelesen, es hat ihm gefallen, wirklich, es hat ihn bewegt.«
Da war sie wieder, ganz kurz. Eigentlich ist sie aus dieser Ecke längst raus. Für einen Moment war sie wieder drin.
- Datum 20.10.2005 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 20.10.2005 Nr.43
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