Sie heißen Andreas, Sandra oder Ibrahim. Und sie nutzen jedes Schlupfloch, um sich auf Kosten des Sozialstaates zu bereichern. Hartz-IV-Empfänger, die mit tausend Tricks und Täuschungen Geld vom Staat kassieren, ohne bedürftig zu sein. Massenhaft wird bei Hartz IV betrogen – es ist der reinste "Missbrauch per Gesetz". Diesen Eindruck vermittelt jedenfalls ein jüngst erschienener Report vom Arbeitsmarkt, veröffentlicht vom Bundesarbeitsministerium, geadelt mit einem Vorwort des Ministers und abgeschrieben von den Boulevardjournalisten der Bild- Zeitung, die sich flugs über die "Hartz-IV-Schmarotzer" empören ("ES MACHT SO WÜTEND!").

Wütend machen kann einen der Regierungsreport allerdings. Denn er ist klar zu erkennen als Versuch, vom eigenen Versagen abzulenken. Die Kosten der Hartz-IV-Reform laufen aus dem Ruder, schuldig gesprochen werden die Sozialtrickser. Dabei liefert der Report zwar viele Beispiele für Missbrauch, aber keinen Beleg dafür, dass bei Hartz IV mehr getrickst wird als sonst wo – etwa bei der Sozialhilfe oder beim Volkssport Steuerhinterziehung. Insofern darf man sich über Abzocker bei Hartz IV genauso sehr oder genauso wenig erregen wie über Abzocker anderer Leistungen. Sie aber mit "Parasiten" zu vergleichen, wie in dem Report geschehen, überschreitet jede Grenze.

Für die Kostenexplosion bei Hartz IV gibt es ein Dutzend Gründe. Drei davon: Die Bedürftigkeitsgrenze wurde angehoben, weshalb jetzt mehr Menschen Anspruch auf staatliche Hilfe haben. Eine Trennung oder der Auszug aus dem Elternhaus wird belohnt – mit einem eigenen Anspruch auf Unterstützung. Und: Die Prognosen über die Zahl der Empfänger waren unrealistisch niedrig. Nun mit einem Pamphlet Stimmung zu machen wirkt lediglich fadenscheinig. Ein schwacher Abgang für Wolfgang Clement.