Medikamente Nicht schön, aber nützlich
Eine neue Zeitschrift bewertet Qualität und Preis von pharmazeutischen Produkten
Was tun bei Bluthochdruck? Diabetes? Rheuma? Patienteninformationen gibt es bald so viele wie Pillen auf dem Pharmamarkt. Allerdings sind die Zeitungen und Faltblätter, die man in der Arztpraxis oder im Krankenhaus kostenlos mitnehmen kann, meist von Marketingexperten der Pharmaindustrie verfasst. Auch viele Gesundheitsportale im Internet werden von großen Konzernen bestückt. Nun will eine neue Zeitschrift eine Bresche in den Dschungel fragwürdiger Informationen schlagen – unabhängig von Verkaufsinteressen. wird von den drei unabhängigen Pharmafachzeitschriften in Deutschland herausgegeben und will deren unterschiedliche Kompetenzen nutzen: Die Macher des Arzneimittel-Telegramms sind darauf spezialisiert, den wissenschaftlichen Gehalt von Studien einzuschätzen. Der Arzneimittelbrief wird von Klinikern gemacht, die auch die medizinische Praxis im Auge haben. Der Pharmabrief beschäftigt sich über die Landesgrenzen hinaus mit gesundheitspolitischen Themen.
Der evidenzbasierten Medizin fühlen sich alle drei verpflichtet. Ihre bisherigen Zielgruppen waren Ärzte, Apotheker und Gesundheitspersonal. Nun wollen sie gesichertes Wissen über Medikamente auch den Patienten nahe bringen.
Die erste Ausgabe kommt in dieser Woche auf den Markt, weitere sollen im Zweimonatsabstand folgen. Die Herausgeber bürgen für Solidität, und so sieht ihr Blatt auch aus: zwölf übersichtlich gestaltete Seiten in den Grundfarben Gelb, Rot und Blau. Viel Text, einige Tabellen, kaum Fotos. Die Informationen kommen betont nüchtern und schnörkellos daher.
Ein Lesespaß ist das nicht, aber kompakte Information, die man sich für den Fall der Fälle abheftet. Auf Glanz und Glamour haben die Macher nicht nur aus finanziellen Gründen verzichtet – das Geld ist knapp, Pharmaanzeigen sind tabu. Aufwändige Gestaltung passt auch nicht zum Selbstverständnis der Redaktion. Man will mit Gute Pillen – Schlechte Pillen keinen Schönheitspreis gewinnen, sondern Patienten befähigen, »eine informierte und damit vernünftige Entscheidung zu treffen«, heißt es im Editorial.
Schwerpunkt sind wie beim amerikanischen Vorbild Worst Pills – Best Pills aktuelle Erkenntnisse über Arzneimittelrisiken. Die erste Ausgabe informiert etwa über erhöhte Brustkrebsraten bei der immer noch verbreiteten Hormontherapie für Frauen in den Wechseljahren. Außerdem warnen die Herausgeber vor dem Verhütungsimplantat Implanon. Das wirke auf Dauer nicht zuverlässig und lasse sich entgegen der Werbeversprechungen mitunter nur schwer wieder entfernen. Solche klaren Aussagen über Arzneimittelrisiken haben Worst Pills – Best Pills in den USA berühmt gemacht. Die Leser des Blatts erfuhren in den vergangenen Jahren frühzeitig von Nebenwirkungen, die schließlich dazu führten, dass ein Mittel vom Markt genommen wurde.
Jede Ausgabe von Gute Pillen – schlechte Pillen enthält eine Art Patientenbrief. Darin sind die wichtigsten Fakten zu einer häufig vorkommenden Krankheit aufgelistet. Den Anfang machen der Jahreszeit entsprechend die Erkältungskrankheiten. Da liest man zum Beispiel, dass Symptome gezielt mit einem einzigen Wirkstoff bekämpft werden sollten statt mit so genannten Schrotschusspräparaten, die alles Mögliche enthalten und in ihrer Wirkung schwer einzuschätzen sind. Man erfährt auch von der häufigen Fehlverschreibung von Antibiotika und seltenen, aber lebensgefährlichen Nebenwirkungen eines Schmerzmittels bei Kindern. Ergänzt wird das Ganze durch eine Tabelle sinnvoller Medikamente, inklusive Markennamen und Preisen.
Preisinformationen gehören zum Konzept. »Wenn es identische Produkte von verschiedenen Firmen gibt, ist es wichtig zu wissen: Wo werde ich abgezockt und wo habe ich einen realistischen Preis«, sagt Redaktionsmitglied Wolfgang Becker-Brüser, von Haus aus Arzt und Apotheker. Solche Informationen dürften Patienten schon deshalb interessieren, weil sie seit Januar 2004 fast alle rezeptfreien Präparate aus der eigenen Tasche bezahlen müssen. Aber die Herausgeber wollen das Preisbewusstsein der Kunden auch bei Verordnungen schulen, die ja überwiegend von den Kassen bezahlt werden. »Das sind letztlich auch unsere Gelder, die da ausgegeben werden«, sagt Becker-Brüser. Was durch ein überteuertes Medikament verschwendet wird, fehlt womöglich an anderer Stelle in der medizinischen Versorgung.
- Datum 20.10.2005 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 20.10.2005 Nr.43
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Und wann kommt die Positiv-Liste?
Abonnieren kann man sich unter http://www.gutepillen-sch... - ich habe das auch gerade getan.
Ich bin eifriger Leser der ZEIT, und somit auch auf den Artikel 'Gute Pillen - schlechte Pillen' gestoßen und möchte diese Zeitschrift (o.ä.) abonnieren.
Bitte teilen Sie mir mit, wo ich das beantragen kann und wieviel dieses Abonnement im Monat kostet.
Danke, Amelu
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