Jetzt haben wir also einen blonden James Bond, und sofort geht das Geschnatter los. Es gibt ein neues Männerbild, so klang es mir aus dem Fernseher entgegen, der metrosexuelle Mann, falls er je existierte, ist nun schon wieder vorbei, weg also mit all den Gels und Parfüms und Cremes - gefragt ist jetzt irgendetwas anderes, das mehr mit Sex zu tun hat, mit Stil und auch, ja, mit Kinderkriegen, was weiß ich. Ich habe dann schnell ausgeschaltet, um in den Spiegel zu schauen, aber ich habe leider wirklich keine blonden Haare.

Hätte ich welche, dann wäre ich ein kühler Mann, ich wäre introvertiert und hätte weniger mit dem Widerspruch zwischen Erwartung und Realität zu kämpfen, weil die meisten Frauen sowieso auf dunkelhaarige Männer stehen. Das alles erfuhr ich aus dem Internet, das einen, ein Fortschritt unserer Tage, nicht in den Sumpf der germanischen Mythen schickt, sondern die Welt als Friseursalon aufblättert - auf Hairweb.de etwa sind schon Witze über blonde Männer zu lesen. Es ist also nur gerecht, dass sich jetzt auch James Bond dieser letzten Falle der vorfeministischen Klischees stellen muss.

Bleibt die Frage, ob nun alle Bond-Girls dunkelhaarig werden, damit die eingespielte erotische Balance gewahrt wird? Daniel Craig jedenfalls hat seinen Ausweg aus dem Perfektionsdilemma gefunden, das sich Blondinen normalerweise stellt. Er wirkt nicht besonders kühl und introvertiert, eher etwas verlebt und auf eine angenehme Art einsam, eben irgendwie wölfisch, wie er so auf die Weltpresse zuschlenkerte, die Hände in den Hosentaschen, ein Grinsen, das sich in tiefen Falten verlor. Ob das nun das Gesicht unserer Zeit ist? Mal sehen.