Kiel

Die Weinsorte Laminaria wird in einer ungewöhnlichen Lage aufgezogen: am Westhang des norddeutschen Meeresbodens. Ihr Grundstoff ist die Braunalge gleichen Namens, eine gummiartige Meerespflanze, aus der bisher Naturkosmetik hergestellt wurde. Nun hat der Kieler Meeresbiologe Levent Piker das Verwendungsspektrum von Laminaria erweitert: Mit Algenwein hofft er vor allem den japanischen Markt zu erobern.

In seinem Kieler Labor lässt Piker die Wasserpflanze häckseln und vergären.

Der Algenwein hat eine salzige Note und eignet sich gut als Aperitif zu Meeresfrüchten, charakterisiert Piker das bernsteinfarbene Getränk. Ein, zwei Jahre gereift, schmeckt er wie Sherry, und erreicht einen Alkoholgehalt von 14 bis 16 Prozent.

Dass die Braunalge in jeder Hinsicht verträglich ist, hat Piker durch Kosmetik-Vertriebsfachleute testen lassen, an die er seine Cremes und Peelings verkauft. Gerade den Anhängern von Naturkosmetika ist es wichtig, dass die Essenzen nicht nur appliziert, sondern notfalls auch ohne negative Folgen verspeist werden könnten.

Niemand in Levent Pikers Umfeld ist vor der Verkostung des Algengetränks sicher. Doch befreundete Restaurantbesitzer reagierten auf den Wein mit Meeresaroma bisher zurückhaltend. Auch deshalb setzt Piker auf die südostasiatische Affinität zu Algen. Und die Händler aus Japan scheinen angetan. Auch Delegationen aus China bestaunten schon Pikers Fermentationsanlage, in der der Algenmost zubereitet wird. Dagegen werden wir Europäer uns wohl noch eine Weile damit begnügen, lediglich unsere Haut oder unser Sushi mit Algen in Form bringen.

Doch vielleicht sind wir mental eines Tages weit genug, um von Pikers nächstem Projekt zu profitieren. Wir erforschen gerade Kollagene aus Quallen und Wattwürmern, sagt er. Diese halten Haut und Knorpel zusammen und werden zur biologischen Herstellung von Implantaten gezüchtet. Damit könnten unsere verschlissenen Gelenke noch lange wie geschmiert funktionieren: die Kur für das Alte Europa.