Erwin Panofsky:

Was ist Barock?

Philo & Philo, Berlin 2005 - 142 S., 14,- e

Die millionenträchtige Begeisterung für die Dresdner Frauenkirche, deren Wiederauferstehung am 30. Oktober mit großem Hosianna gefeiert wird, ist während der Bauarbeiten immer wieder als falsche Sehnsucht nach barocker Prachtentfaltung, nach dem Schwulst verflossener Jahrhunderte angeprangert worden. Nun jedoch belehrt uns der Kunsthistoriker Erwin Panofsky (1892 bis 1962) in einer Neuauflage seines wichtigsten Essays über die wahrscheinlicheren Gründe unseres Hingerissenseins. Denn Barock, so der Ordinarius des legendären Hamburger Kunsthistorischen Seminars (seinerzeit auch als Arkadien des Faches apostrophiert), sei nicht so sehr Prunk, Spektakel, Theatralik, sondern der zweite Höhepunkt der Renaissancekultur: eine Epoche des kunstvoll artikulierten Widerstreits zwischen Schönheit und Tugend, Moral und Freiheit, Glaube und Wissenschaft. Diese Epoche währte nach Panofskys Rechnung bis zum Ende der Goethe-Zeit. Erst die industrielle Revolution habe die Renaissance beendet und unsere Gegenwart eingeläutet, die noch immer um einen Ausdruck sowohl im Leben wie in der Kunst ringt.