Vielleicht wird Raghida Hussein eines Tages ein bekanntes Gesicht werden wie ihr Vater Saddam, dessen Konterfei weltweit über die Fernsehschirme flackert und die Emotionen schürt. Noch sieht es zwar nicht danach aus, sie lebt zurückgezogen in der jordanischen Hauptstadt Amman und gibt keine Interviews mehr. Aber das muss nicht so bleiben. "Ich glaube, die Baath-Partei wird ein Comeback feiern, wenn die amerikanischen Truppen einmal den Irak verlassen haben", sagt Assad Abu Khalil, Politikwissenschaftler an der Universität Stanislaus in Kalifornien und Verfasser des Weblogs angryarab.com. "Ich halte es für möglich, dass Raghida dann eine Führungsrolle im Land übernehmen wird."

Politische Ambitionen hatte die 37-jährige Raghida eigentlich nie. Als Kind war sie Vaters Liebling und genoss auf Familienfotos die Küsse des fürsorglichen Diktators. Später heiratete sie Saddam Husseins Cousin Hussein Kamel und führte das verwöhnte Leben einer Präsidententochter.

Die erste Prüfung kam 1995. Ihr Mann, der zuständig war für die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen, floh mit seiner Familie nach Jordanien und offenbarte sich sämtlichen Geheimdiensten. Als kenne er nicht die Gesetze der Tyrannei, kehrte Hussein Kamel sieben Monate später in den Irak zurück, weil er glaubte, der Präsident hätte ihm verziehen. Stattdessen endete er mit einer Kugel im Kopf. Seitdem wurde Raghida Hussein nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen.

Die "Befreiung" aus dem Hausarrest kam acht Jahre später. Nach dem Sturz ihres Vaters floh Raghida im Sommer 2003 nach Jordanien. Seitdem genießt sie dort Asyl. Ins Rampenlicht trat sie im Dezember 2003, als Saddam Hussein von amerikanischen Soldaten aus einem Erdloch gezerrt wurde. Die Interviews, die sie danach den Satellitensendern al-Arabija und al-Dschasira gab, hinterließen in der arabischen Welt einen bleibenden Eindruck. "Die Menschen waren beeindruckt von ihrer Eloquenz und von ihrer Stärke", sagt Assad Abu Khalil. "Sie hat viele Anhänger gewonnen. Sie gilt seitdem als führende Figur der Baath-Partei im Exil."

Raghida versprach ihrem Vater, den besten Rechtsschutz der Welt für ihn zu finden. Kürzlich feuerte sie fast das gesamte Team, weil sich die arabischen Verteidiger ihrer Meinung nach zu sehr in der Vordergrund gespielt hatten. Jetzt vertraut sie "wie die ganze Welt nur noch auf amerikanische Anwälte", empört sich Ziad Khassauna, einer der vergrätzten Advokaten.

Raghida soll sich in Jordanien mehreren Schönheitsoperationen unterzogen haben. Als Tochter von Saddam ist sie dennoch zu erkennen. Wer weiß, vielleicht hat sie auch seinen Machtinstinkt. Albrecht Metzger