In der Logik von Werbern gibt es kaum Unterschiede zwischen einer Schule und einer Telenovela: Beide benötigen Geld, und beide sprechen eine interessante Zielgruppe an, die man für sich gewinnen möchte. Nicht immer findet das Werben so offensichtlich statt wie bei der Aktion "Frosties für Schulsport", wo Schüler mit dem Kauf von Produkten des Müsli-Konzerns Kellogg’s finanzielle Unterstützung für den Kauf von Schulsportgeräten sichern konnten. Doch längst ist Werbung und Öffentlichkeitsarbeit in Klassenzimmern kein Tabu mehr.

Vor allem der amerikanische Software-Konzern Microsoft positioniert sich zunehmend als Sponsor für Bildungseinrichtungen. So erhalten Schulen das Betriebssystem Windows 98 oder Windows 2000 geschenkt, wenn es auf einem gespendeten Gebrauchtrechner zum Einsatz kommen soll. Im Rahmen seines "Lernscout-Programms" offeriert der Konzern aus Redmont günstige Hard- und Software für Jugend- und Bildungseinrichtungen. Das von Microsoft ins Leben gerufene Internet-Portal innovative-teachers.de soll demnächst ein Informationsforum für Lehrer zu Lern- und Medienthemen bieten, und schon im Kindergarten können die Kinder als "Schlaumäuse" den von Microsoft finanzierten Computer entdecken.

Für Schulen gibt es die verschiedenen Microsoft-Programme zum Schnäppchenpreis. So kostet beispielsweise die Schulversion des Microsoft-Office-Paketes rund 400 Euro. Die Lizenz berechtigt allerdings zum Einsatz an 15 Arbeitsplätzen – das sind pro Benutzer nicht einmal 30 Euro. Zum Vergleich: Im Handel zahlen Schüler und Studenten für das Office-Paket rund 150 Euro, der reguläre Verkaufspreis ohne Vergünstigungen liegt bei mehr als 400 Euro.

"Das Thema Bildung spielt für Microsoft eine zentrale Rolle", heißt es in einer Informationsschrift zu den gesellschaftlichen Aktivitäten des Unternehmens. Rund 31,5 Millionen Euro habe Microsoft im Jahr 2003 in Bildungsinitiativen in Deutschland investiert. Damit bewegt sich der Software-Konzern allerdings auf schmalem Grat zwischen lobenswertem Bildungsengagement und fragwürdiger Einflussnahme. Welche Blüten die Begeisterung der Schulen für den spendablen Konzern treiben kann, zeigen die Internet-Seiten von einigen der so genannten Microsoft-Partnerschulen, die im Rahmen eines früheren Sponsoring-Programms von dem Unternehmen kostenlos mit Software ausgestattet wurden. So berichtet eine bayerische Grundschule ganz unbedarft, wie die Schüler in der Klasse mit Microsoft-Programmen von Word über PowerPoint bis hin zum Internet-Explorer arbeiten. "Die Schülerinnen und Schüler haben sich Grundkenntnisse im Betriebssystem Windows verschafft", heißt es am Schluss des Projektberichts – damit wurde nicht nur das Lernziel der Schule, sondern auch das Marketingziel von Microsoft erreicht.

Trotzdem kann Microsoft an den Schulen seine Marktmacht nicht uneingeschränkt ausspielen. Je älter die Schüler sind, umso eher werden auch Windows-Alternativen eingesetzt. Während nur drei Prozent der Grundschulen ihre Computer-Arbeitsplätze mit Linux ausstatten, haben nach einer Erhebung des Bundesbildungsministeriums Unix- und Linux-Systeme an berufsbildenden Schulen schon einen Anteil von 20 Prozent. Welchen Anteil die kostenlose Textverarbeitungs-, Tabellen- und Präsentations-Software OpenOffice im Vergleich zu Microsoft-Office an Schulen hat, darüber gibt es keine Zahlen.