Zu seinen Ahnen gehörten Kaufleute, die seiner Heimatstadt glanzvolle Zeiten beschert hatten. Als er geboren wurde, war die Herrlichkeit von einst jedoch schon längst in provinzieller Schläfrigkeit versunken; sogar eine der schönsten Erinnerungen an Bürgerstolz und Kunstsinn war abgerissen worden. Trotzdem hing er zeit seines Lebens an dieser kleinen Stadt in rauer Umgebung.

Sein Vater, ein ebenso rechtschaffener wie humorloser Advokat, und seine kunstsinnige Mutter kümmerten sich nicht viel um ihren Erstgeborenen. So wuchs er ohne feste erziehende Hand, aber auch ohne Liebe auf: "...ich entsinne mich nicht, dass ich jemals von meinen Eltern umarmt oder gar geküsst wurde. "Für etwas Herzenswärme sorgte seine Großmutter, und eine ältliche Bäckerstochter weckte mit ihren Erzählungen seine Lust auf Geschichten. Dass ihm kein Glaube aufgezwungen wurde, zählte er zum Besten, was ihm in seiner Jugend widerfahren war. Nach dem Abschluss der Schule entschied er sich ohne innere Kämpfe dazu, Jurist zu werden wie sein Vater. "Es ist das Studium, das man ohne besondere Neigung studieren kann." Seine wahre Neigung galt damals schon einer Kunst mit unsicherem Brot. Später wurde ihm der Beruf jedoch zu einer Last, die ihn von seiner eigentlichen Berufung abhielt.

Kaum als Advokat in seiner Heimatstadt etabliert, stürzte er sich in Liebesverwicklungen und selbstquälerische Beziehungen. Durch eine schnelle Heirat mit seiner Cousine suchte er sich aus ihnen zu befreien, nur um kurz darauf eine leidenschaftliche und in seinem Werk in aller Offenheit gefeierte Liaison einzugehen. Als sich seine Lebensumstände beruhigt hatten, trieben ihn seine Parteinahme in politischen Auseinandersetzungen und drückende Fremdherrschaft außer Landes. Er akzeptierte demütigende Bedingungen im Dienst eines Staates, der nach seiner Ansicht vom Militär aufgefressen wurde und an ihm verhassten feudalen Relikten krankte. In der erzwungenen Fremde gewann er Freunde und Briefpartner. Seine erstaunlich weitgespannte Korrespondenz half ihm, selbstgenügsamer Provinzialität zu entfliehen. Einer seiner Freunde, zugleich Kritiker seiner Werke und politischer Antipode, tadelte jedoch seine Betulichkeit und hielt ihm vor, er werde erst "interessant, wenn man über seine Schwächen und Schrullen n i c h t hinwegsieht", dann gewinne er Größe.

Als ihn seine Heimat in ein ehrenvolles Amt berief, entschloss er sich ohne Zögern zur Rückkehr. Allein die Konstellationen im politischen Spiel der Großmächte wendeten sich im Lauf der Jahre zuungunsten der Unabhängigkeit des geteilten Landes. Die neuen Herren – er kannte sie schon zur Genüge – stellten ihn vor eine kränkende Wahl, die einer Degradierung gleichkam. Er ergab sich nun immer mehr der Resignation und einer fatalistischen Weltsicht, zog sich in seine Familie zurück und widmete sich seinen Werken.

Schon einer seiner ersten Versuche in einem der beiden Genres, die er meisterlich zu beherrschen lernte, hatte ihm Anerkennung eingetragen, doch erst nach seinem Tod wurde er populär und schließlich zur Legende. Aber auch zum Opfer eines Missverständnisses, das in seinen von Widersprüchen und Konflikten durchzogenen Werken nichts anderes als "Bürgerwonnen und Goldschnittgemüt" sehen wollte. Im Gedächtnis verankert hat ihn vor allem sein letztes Werk, ein Charakterstück zum Kampf zwischen Aufklärung und Aberglauben in einem durch das Wüten der Elemente bedrohten Land. Das eindrucksvolle Denkmal, das er seiner Heimatstadt setzte, ist fast zum Sprichwort geworden.

Wer war’s?