Eine der einflussreichsten Figuren unseres populärkulturellen Lebens ist neu besetzt worden. Erstaunlicherweise wurde diese Personalie bisher nicht in ihrer ganzen dramatischen Tragweite diskutiert. Die Rede ist von Bond, James Bond, der ganze Kinogenerationen mit untadeligem Äußeren durch die politisch-ideologischen Zeitläufte begleitete und der im nächsten 007-Film von dem Engländer Daniel Craig gespielt wird. Eine ernsthafte Bond-Debatte wurde zum Beispiel von der geschmäcklerischen Frage verschleiert, ob der jetzt noch blonde Craig seine Haarfarbe dem 007-Typus anpassen werde. Wirklich bedenklich, ja schockierend waren dagegen ganz andere Informationen, die von der Londoner Bond-Pressekonferenz in die Welt drangen. Der neue Bond, so verkündete unter anderem die Produzentin Barbara Broccoli, solle ernster, schneidiger, härter werden. Sogar von Bonds Neuerfindung war die Rede, von einem Charakter, den man im Remake von Casino Royale "definitiv dunkler" anlegen wolle. Er solle weniger technisches Spielzeug in die Hand bekommen, und, ganz wichtig: seine Beziehung zum anderen Geschlecht werde sich seriöser und weniger frivol gestalten. Zu allem Überfluss ließ der Auftritt des sichtlich gehemmten Darstellers Craig das weltmännische Format vermissen. Mit seinem anämischen Gesicht wirkte er wie ein abgehalfterter Discobesitzer aus der Provinz und versprühte nicht das winzigste Fünkchen Selbstironie.

Bonds Umdeutung zum ernsthaften Action-Killer wäre das Schlimmste, was ihm passieren könnte. Ein Paradigmenwechsel, aber auch das traurige Ende einer großen Ära. Schließlich lieben wir an ihm eben jenes Über-den-Dingen- und Neben-sich-Stehen, das die großen Bond-Darsteller Sean Connery und Roger Moore perfekt verkörperten. Selbst der wesentlich kleinkalibrigere Pierce Brosnan schloss seinen Frieden mit dem Bondschen Unernst. Tatsächlich war das eigentlich Großartige an James Bond, dass er, der stets im Zentrum der Terrorismusattacken, Kalten Kriege und Supermacht-Querelen stand, sich im Grunde seines Herzens gar nicht für die derartige Weltwichtigkeiten interessierte. Mit leichter Ungeduld und der für ihn so typischen Süffisanz räumte er feindliche Agenten, größenwahnsinnige Schurken, Beißer und Atombomben immer nur aus dem Weg, um zum eigentlichen, wahren Ziel vorzustoßen: dem Sex danach.

Nichts wäre überflüssiger als ein Bond, der nur ein weiterer im Kugelregen gehärteter Killer wäre, der den Agentenjob so ernst nimmt wie die eigene Weltenretter-Attitüde. Einzigartig ist Bond nur als angenehm unzeitgemäßer Dandy, dem jeglicher Ehrgeiz fremd und Amüsement alles ist. Er ist der einzige Held, der für Sex, eine gute Flasche Bordeaux, einen Martini oder auch für den Blick auf die den Fluten entsteigende Ursula Andress ganz nebenbei sein Leben riskieren würde. Wir brauchen diesen Bond, den großen Ironiker, den letzten Helden der Populärkultur, der in der Lage ist, uns auf formvollendete Weise vorzuführen, dass Arbeit nicht alles ist.