Vor kurzem war es sogar in meinem kleinen schottischen Ort so weit. Das heimische Pub hat sich eine Espresso-Maschine angeschafft, und seither schlürfen die Gäste Latte Macchiato, statt sich dem Teegenuss hinzugeben.

Kein Einzelfall: Zum ersten Mal in der Geschichte des Vereinigten Königreichs wird mehr Kaffee als Tee konsumiert, schrieb kürzlich der Guardian. Es grenzt ans Skandalöse! Welche kollektiven Rituale durch diese Kontinental-Europäisierung und US-Amerikanisierung hinweggefegt werden: das lässige Abwarten und Teetrinken, die durch Teepausen negativ beeinflusste Wettbewerbsfähigkeit des Landes, häufige Toilettenbesuche (die besten WCs auf der Insel werden alljährlich prämiert). Es ist eine Erschütterung wie einst die Boston Tea Party. Bald wird man ihn schmerzhaft vermissen: den echten britischen Tee, zweimal aufgekocht, tiefbraun und bitter, stärker als jeder Kaffee und genießbar nur durch Hinzufügung einer Unmenge von Milch.