Amerikas Hausfrauen haben ihn geliebt, den großen Geländewagen in der Auffahrt. Jetzt stehen sich viele dieser Sprit saufenden Ungetüme beim Gebrauchtwagenhändler die Reifen platt. Schuld sind die ungewohnt hohen Spritpreise. Auch die Ladys greifen neuerdings lieber zu modischen Crossovers, einer Art hochbeiniger Kombis, oder gleich zu wendigen Kompaktwagen. Das Dumme ist nur: Letztere tragen überproportional oft japanische, koreanische oder europäische Markenzeichen, während die großen Sport Utility Vehicles überwiegend von General Motors (GM) oder Ford geliefert wurden - und dort die wichtigsten Ertragsbringer waren. Kein Wunder, dass GM, immer noch der größte Automobilkonzern der Welt, im dritten aufeinander folgenden Quartal rote Zahlen schreibt.

Umso mehr, als die Belastungen durch die in den guten neunziger Jahren eingegangenen Zusagen für Krankenversicherungen und Pensionen die Mitarbeiter samt Familienmitgliedern in die Höhe schnellten. Obwohl General Motors nur noch rund 150 000 Menschen in den Staaten beschäftigt, muss es finanziell für 750 000 Berechtigte geradestehen. Doch jetzt hat Konzernchef Rick Wagoner wenigstens hier einen großen Entlastungserfolg erzielt. Er konnte der Automobilarbeiter-Gewerkschaft UAW einen milliardenschweren Nachlass abhandeln. Künftig müssen die GM-Beschäftigten und Pensionäre für einen großen Teil ihrer Krankheitskosten selbst aufkommen. Der Grund für das Einlenken der UAW war wohl nicht zuletzt die Insolvenz von Delphi, des größten US-Automobilzulieferers, der einst selbst zu GM gehörte. Nutznießer des Deals werden wohl auch die beiden anderen großen US-Hersteller Chrysler und Ford sein, die von der Gewerkschaft jetzt ähnliche Zugeständnisse einfordern werden. Besonders bei Ford ist die Lage nicht viel besser als beim Detroiter Nachbarn. Bei beiden Konzernen wird drastisch Personal abgebaut - allein bei GM sollen 25 000 Jobs oder mehr wegfallen. Da können die Beschäftigten bei der deutschen GM-Tochter Opel fast schon froh sein. Zwar läuft auch hier schon der vor Monaten vereinbarte sozialverträgliche Personalabbau, aber die Verkäufe ziehen an - und Krankenversicherung sowie Rente hängen hier nicht allein vom Unternehmen ab.