Im Hauptzollamt des Frankfurter Flughafens brennen die Lichter in diesen Tagen länger als gewöhnlich. Als Labortests das auch für Menschen gefährliche Vogelgrippevirus H5N1 in der Türkei und Rumänien nachgewiesen haben, verhängte die Bundesregierung einen Importstopp für Geflügel aus beiden Ländern. Seitdem legen viele der 521 Abfertigungsbeamten, die schon das Einfuhrverbot aus 13 asiatischen Staaten überwachen, Sonderschichten ein.

Bis vor kurzem mussten nur rund zehn Prozent der Einreisenden ihre Mitbringsel vorzeigen. Jetzt werden bei einem Drittel der rund 10000 Passagiere, die täglich aus den betroffenen Gebieten in der Türkei, in Rumänien und Asien ankommen, Stichproben gemacht, um zu verhindern, dass die Vogelgrippe nach Deutschland eingeschleppt wird. Verboten ist jegliche Einfuhr von Vögeln sowie von Geflügelprodukten und Eiern, selbst Federn und unbehandelte Jagdtrophäen dürfen nicht mitgebracht werden.

Mit lebendigen Tieren werde kaum jemand erwischt, heißt es bei der Frankfurter Zollbehörde, vor allem sei es abgepackte Ware, die den Kontrolleuren ins Netz ginge. Rund 10 bis 250 Kilogramm verbotener Nahrungsmittel ziehen die Beamten jetzt jeden Tag aus dem Verkehr. Schon bei der Ausreise werden die Passagiere auf Flugblättern über das Importverbot aus Rumänien, der Türkei und Russland, aber auch aus asiatischen Ländern wie Kambodscha, Indonesien, Laos, Malaysia, Thailand, Vietnam oder China informiert. Außerdem wird den Reisenden ein Merkblatt mit Verhaltensregeln in die Hand gedrückt. Dort steht beispielsweise zu lesen, dass die Erreger auch durch Kleider oder Schuhe übertragen werden können und deshalb Tierkontakte ebenso vermieden werden sollen wie der Besuch auf dem Geflügelmarkt.

Für die Fluggäste gibt es zwar längere Wartezeiten, aber keinen Grund zur Panik davor, sich selbst anzustecken. "Man kann auch jetzt noch völlig unbedenklich in die Türkei, nach Rumänien oder nach Asien reisen", sagt Erich Kröger, ärztlicher Leiter des Centrums für Reisemedizin (CRM) in Düsseldorf. "Der normale Urlauber ist von der Seuche nicht betroffen, solange er sich an die Vorsichtsmaßnahmen hält, also kein rohes oder halb gegartes Geflügelfleisch isst und zu engen Kontakt mit Geflügel meidet". Das Risiko einer Ansteckung sei extrem gering, so Kröger. In Asien hätten sich in den vergangenen zwei Jahren trotz Millionen infizierter Tiere und teilweise sehr enger Kontakte nur rund 120 Menschen angesteckt. Auch das Auswärtige Amt sieht Reisen in die betroffenen Länder "zum gegenwärtigen Zeitpunkt als unbedenklich" an.

Viele Ärzte empfehlen Urlaubsreisenden eine gewöhnliche Grippeimpfung. Sie schütze zwar nicht gegen die Vogelgrippe, "gerade in Asien kommt es um diese Jahreszeit aber oft zu regelrechten Grippewellen", sagt Thomas Löscher, Leiter der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Krank zu werden ist fern von daheim besonders unangenehm. Da aber Impfstoff knapp zu werden droht, muss sich jeder überlegen, ob er ihn nicht für die aufheben will, die ihn wirklich brauchen, Ältere etwa.

Bei den Reisekonzernen herrscht Gelassenheit. Marktführer TUI weist seine Türkeigäste derzeit zwar durch Aushänge in den Hotels auf die aktuelle Entwicklung hin und zitiert dabei das Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg. Dieses sieht aber momentan "keine Beeinträchtigung für den Tourismus". Auch Neckermann informiert seine Gäste über die empfohlenen Verhaltensregeln. Der Türkeispezialist Öger Tours hat seine Hoteliers aufgefordert, möglichst keine Geflügelgerichte mehr zu kochen. "Die Auswahl an den Büffets ist in den meisten Hotels ohnehin groß genug", sagt eine Sprecherin.